https://www.faz.net/-gpf-74lcr

Toleranz : Merkel kritisiert Antisemitismus

  • Aktualisiert am

Mit Menorah: Zentralratspräsident Dieter Graumann und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Frankfurt Bild: REUTERS

Merkel war erstmals zu Gast bei der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden. Nach einem „Sommer des Missvergnügens“ durch die Beschneidungsdebatte, sei der Besuch der Kanzlerin „besonders wichtig“ gewesen, sagte Zentralratspräsident Graumann.

          1 Min.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Menschen in Deutschland zu mehr Toleranz gegenüber Andersgläubigen aufgerufen. „Es gibt ein großes Maß an Antisemitismus“, sagte Merkel am Sonntag in Frankfurt während der jährlichen Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das müsse alle dazu bringen, darüber nachzudenken, was Toleranz gegenüber Religionen bedeute. „Der Respekt für die Lebbarkeit religiöser Rituale ist ein hohes Gut“, sagte Merkel.

          Es war das erste Mal, dass ein deutscher Kanzler bei der Versammlung zu Gast war. Es habe „sehr gut getan“, dass die Kanzlerin in einer schwierigen Zeit gekommen sei, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann nach dem Treffen in Frankfurt. Vor allem die Debatte um die religiös motivierte Beschneidung von Jungen hatte in den jüdischen Gemeinden in diesem Jahr für Unsicherheit und auch Erschütterung gesorgt. Graumann sprach von einem „Sommer des Missvergnügens“. Vor diesem Hintergrund sei der Besuch der Kanzlerin „besonders wichtig“ gewesen, sagte Graumann nach dem Gespräch mit Merkel.

          Beschneidung und Religionsfreiheit

          Auslöser für die Debatte war ein Urteil des Landgerichts Köln im Mai, das Beschneidungen von Jungen aus rein religiösen Gründen als strafbare Körperverletzung gewertet hatte. Die Entscheidung wurde von jüdischen und muslimischen Verbänden scharf kritisiert. Der Zentralrat zeigte sich zudem vor allem über die Art und Weise der Debatte erschüttert. Die Bundesregierung hat mittlerweile einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der Beschneidungen von Jungen unter bestimmten Auflagen für zulässig erklärt. Die Neuregelung soll die Verunsicherung nach dem Kölner Urteil beseitigen.

          Merkel zeigte sich zuversichtlich, dass das Gesetz noch vor Weihnachten im Bundestag verabschiedet werde. „Religionsfreiheit drückt sich auch darin aus, das Religion ausgeübt werden kann“, sagte die Kanzlerin zu der Neuregelung. Sie freue sich, dass es ein „lebendiges jüdisches Leben“ in Deutschland gebe.

          Die Ratsversammlung, auf der Merkel am Sonntag zu Gast war, ist das oberste Entscheidungsgremium des Zentralrats. Sie berät über alle Grundsatzfragen der jüdischen Gemeinschaft. Der Ratsversammlung gehören alle Landesverbände und einzelne Großgemeinden wie Berlin, München, Frankfurt und Köln an.

          Weitere Themen

          Die Angst vor der Vertreibung

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Topmeldungen

          Nicht alle zahlen hohe Steuern: Passanten gehen auf der Bahnhofstraße durch die Innenstadt von Hannover.

          IW-Studie : Wer trägt welche Steuerlast?

          Allen Steuertarifkorrekturen zum Trotz: Auf die unteren 70 Prozent entfallen 21 Prozent der Einkommensteuer – wie schon 1998. Damit zahlen 30 Prozent aller Haushalte in Deutschland fast 80 Prozent dieser Abgabe.

          TV-Kritik: Anne Will : Laschet kann sie alle schaffen

          Will Armin Laschet Kanzler werden, muss er in die Offensive. Sein Stehvermögen zeigt er bei Anne Will. Nur Klimaaktivistin Luisa Neubauer liefert ihm einen starken Schlagabtausch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.