https://www.faz.net/-gpf-81n5z

Tod einer NSU-Zeugin : Obduktion mit eindeutigem Ergebnis

Offene Fragen: Akten des Untersuchungsausschusses Bild: dpa

Es gebe keine Anzeichen für ein Fremdverschulden: Eine 20 Jahre alte Zeugin im Stuttgarter NSU-Untersuchungsausschuss sei an den Folgen einer Lungenembolie gestorben, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

          2 Min.

          Die frühere Freundin des Rechtsextremisten Florian H. ist nach ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe an einer Lungenembolie gestorben. Florian H. hatte vor seinem angeblichen Selbstmord am 16. September 2013 seiner Familie gegenüber mehrfach behauptet, er kenne die Hintergründe und Hintermänner des Heilbronner Polizistenmordes, für den von der Generalbundesanwaltschaft die toten NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verantwortlich gemacht werden.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Florian H. hatte den Eindruck erweckt, es habe noch weitere rechtsextreme Terroristen gegeben, die an dem Mord der Polizistin Michele Kiesewetter beteiligt gewesen seien. Deshalb war Melissa M. unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom NSU-Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags vor drei Wochen als Zeugin verhört worden. Sie hatte um eine nichtöffentliche Vernehmung gebeten, weil sie Repressionen von Neonazis fürchtete. „Sie hat einen glaubwürdigen Eindruck gemacht, konnte zur Aufklärung aber nicht viel beitragen“, sagte Wolfgang Drexler (SPD), der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses FAZ.NET.

          Das Wrack eines Kleinwagens, in dem Florian H., der potentielle Zeuge zum Mord an der Polizistin Kiesewetter, verbrannt war, steht am 16.September 2013 auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart-Bad Cannstatt.
          Das Wrack eines Kleinwagens, in dem Florian H., der potentielle Zeuge zum Mord an der Polizistin Kiesewetter, verbrannt war, steht am 16.September 2013 auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart-Bad Cannstatt. : Bild: dpa

          Florian H. habe weder sein Wissen über die rechtsextremistische Szene preis gegeben, noch habe er sie zu Treffen mit rechtsextremistischen Personen mitgenommen. Das habe die Zeugin Melissa M. den Ausschussmitgliedern berichtet. Am Abend vor dem Selbstmord hatte Florian H. die Beziehung mit Melissa M. beendet.

          Nach dem Bekanntwerden des plötzlichen Todes der jungen Frau aus der badischen Kleinstadt Kraichtal hatten sich die Kriminalpolizei im Polizeipräsidium Karlsruhe und die zuständige Staatsanwaltschaft um eine schnelle Klärung der Todesumstände und Todesursachen bemüht.

          Auch geringste Anhaltspunkte, dass die Zeugin ermordet worden sein könnte, hätten den Verdacht genährt, dass es gewaltbereite rechtsextremistische Organisationen gibt, die von den Sicherheitsbehörden unzureichend kontrolliert werden. Doch nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis der Gerichtsmediziner der Universitätsklinik Heidelberg besteht hierzu kein Anlass: Die Todesursache sei eine Lungenembolie, die als Spätfolge eines leichten Motorrad-Unfalls aufgetreten sei, der sich am 24. März in Odenheim ereignet hatte.

          „Keine Anzeichen für eine Fremdeinwirkung“

          Beim Training mit einer Motor-Cross-Maschine hatte sich Melissa M. eine Prellung am Knie zugezogen. Trotz einer ambulanten Thrombose-Prophylaxe kam es zu einer Lungenembolie, die in der Regel durch einen Blut-Thrombus ausgelöst wird. „Anzeichen für eine wie auch immer geartete Fremdeinwirkung haben sich bei der Obduktion nicht ergeben“, sage der ermittelnde Staatsanwalt am Montag.

          Der NSU-Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg war erst nach langem Zögern der SPD eingesetzt worden, die mit Reinhold Gall den Innenminister stellt. Der Ausschuss soll vor allem klären, ob es bei der Aufklärung des Falls Kiesewetter Behördenversagen gegeben hat und welche Defizite es bei der Bekämpfung des militanten Rechtsextremismus im Südwesten ereignet haben könnten. Weil sich durch die Aufklärungsarbeit des Untersuchungsausschusses herausgestellt hatte, dass bei den Ermittlungen der Polizei zur Aufklärung des mutmaßlichen Suizids von Florian H. schlampig und kurzweilig ermittelt worden ist, hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Ermittlungen kürzlich wieder aufnehmen müssen. Die Ermittler hatten 2013 in dem ausbrannten Auto von Florian H. ein Schlüsselbund, ein Laptop und eine Waffe nicht gesichert und kriminaltechnisch untersucht.

          Weitere Themen

          Keine weiteren Plagiate bei Laschet

          Laut Plagiatsprüfer Weber : Keine weiteren Plagiate bei Laschet

          Der Plagiatsprüfer Stefan Weber sieht Armin Laschet entlastet: Er habe in dessen Buch über das schon bekannte Plagiat hinaus keine weiteren Stellen gefunden. Das Plagiat Laschets lasse sich nicht mit dem Fall Baerbock vergleichen.

          Aufbruchstimmung passé Video-Seite öffnen

          Tunesien in politischer Krise : Aufbruchstimmung passé

          Das Musterland des Arabischen Frühlings befindet sich in einer kritischen Lage. Viele Tunesier erleben ihre Situation heute sogar schlechter als während der autoritären Herrschaft bis 2011. Die Krise gilt jedoch als hausgemacht.

          Topmeldungen

          Die Digitalisierung aller Lebensbereiche beschleunigt sich. Das Foto zeigt einen Serverraum in einem Rechenzentrum des Internetdienstanbieters 1&1.

          Inflation : Keine Rückkehr in die alte Welt

          Die Politik muss sich darauf einstellen, dass sich wichtige wirtschaftliche Parameter nach der Pandemie verändern. Das betrifft nicht nur die Inflation.
          „Bayern“ für Deutschland. Als dieses Bild 2015 entstand, kehrte die Fregatte von einem Einsatz vor Somalia zurück

          Deutschland entsendet Fregatte : Flagge zeigen im südchinesischen Meer

          Mit einem ganzen Flottenverband kann die Deutsche Marine schon mangels Masse im Fernen Osten nicht aufwarten. Aber die Fregatte Bayern soll China wenigstens demonstrieren, dass Berlin an der Freiheit der Meere interessiert ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.