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Todesfälle auf der „Gorch Fock“ : Merkel: Guttenberg hat meine volle Unterstützung

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„Gorch Fock“ wird aus „Fahrbereitschaft genommen“

Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums wird Kapitän Schatz nach seiner Rückkehr nach Deutschland eine neue Aufgabe innerhalb der Marine zugewiesen bekommen. Dasselbe gelte auch für Kapitän Brühn, der das Kommando über das Schiff übernommen hat und es von Argentinien in seinen Heimathafen Kiel zurückbringen soll. Dort werde das Schiff dann auf Weisung des Ministers „aus der Fahrbereitschaft genommen“, sagte ein Ministeriumssprecher. Ursprünglich hätte die „Gorch Fock“ noch ein halbes Jahr in Süd- und Nordamerika unterwegs sein sollen, ehe sie im Juni zur Kieler Woche zurückkehren sollte. Brühn hatte das Schiff bereits in den Jahren 2001 bis 2006 geführt und ist nun Havariebeauftragter der Deutschen Marine. Sein Amt untersucht Unfälle und Vorfälle in diesem Bereich der Bundeswehr.

Nach Ansicht des SPD-Abgeordneten Rainer Arnold beschädigt Guttenberg mit seinem Vorgehen das Ansehen der Bundeswehr. Sein Auftrag, sie nach den Vorgängen auf der „Gorch Fock“ insgesamt auf den Prüfstand zu stellen, erwecke „den Eindruck, als ob wir flächendeckend ein Problem in der Bundeswehr haben“, sagte Arnold dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es gehe aber um die Untersuchung konkreter Einzelfälle. Deren Aufklärung habe Guttenberg zunächst verschleppt, „nun verfällt er in hektischen Aktionismus“.

Kauder: Kann keine Informationspannen erkennen

CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder kann dagegen keine Informationspannen erkennen. Die Bundeswehr kläre nun die jüngsten Vorfälle auf. Der Verteidigungsminister habe schnell gehandelt. Die Suspendierung des „Gorch Fock“-Kapitäns sei „ein ganz normaler Vorgang“, sagte Kauder.

Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Elke Hoff, sagte „aus Fürsorgegründen“ sei es absolut richtig, den Kommandanten „aus der Schusslinie zu nehmen, bis alles aufgeklärt ist“.

Am Mittwoch soll Guttenberg im Verteidigungsausschuss neben den Vorfällen auf der „Gorch Fock“ auch zum versehentlichen Todesschuss auf einen Soldaten in Afghanistan und zum Öffnen von Feldpost aus diesem Einsatzgebiet Auskunft geben. Der Minister hatte angekündigt, die gesamte Truppe auf Fehlverhalten überprüfen lassen. Der Chef des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sagte der „Augsburger Allgemeinen“, es mache ihn „tief betroffen“, wenn die Soldaten „unter einen Generalverdacht gestellt“ würden. Er fühle sich „da schon ein bisschen an die heilige Inquisition erinnert“.

Der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck, kritisierte Guttenbergs Umgang mit den Medien. „Zu Guttenberg ist mehr der 'Bild'-Zeitung als der Bundeswehr und dem Parlament verpflichtet“, sagte Beck. „Er hat das Parlament über den Tod des Soldaten in Afghanistan und über die Vorgänge auf der 'Gorch Fock' nicht nur viel zu spät, sondern auch noch falsch informiert.“

Speichermedien aus geöffneter Feldpost entnommen

Derweil wurde bekannt, dass aus den geöffneten Feldpostbriefen der Bundeswehr- Kampftruppen in Afghanistan USB-Sticks und Speicherkarten entnommen wurden. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag in Berlin. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Von den etwa 20 geöffneten Briefen wurden nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa etwa ein Dutzend unrechtmäßig aufgemacht. Der Rest soll rechtmäßig vom Zoll geöffnet, kontrolliert und dann entsprechend gekennzeichnet worden sein. Einen ersten Untersuchungsbericht zu der Feldpostaffäre wollte die Bundeswehr noch am heutigen Montag vorlegen.

Ob die Verantwortung für die unrechtmäßig geöffneten Briefe innerhalb der Bundeswehr liegt, ist weiter unklar. Die Briefe wurden von dem Vorposten in das Bundeswehr-Hauptquartier in Mazar-i-Sharif von einem afghanischen Unternehmen transportiert. Der Transport erfolgt in der Regel in versiegelten Containern.

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