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Tod eines Drogendealers : Henning Scherf fühlt sich schuldig

  • Aktualisiert am

Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf (SPD) verlässt am 16.September 2013 nach seiner Aussage vor dem Landgericht in Bremen im Prozess um den ungeklärten Tod eines mutmaßlichen Drogendealers den Verhandlungssaal. Bild: dpa

Brechmittel gegen Drogendealer waren früher oft im Einsatz. In Bremen starb 2005 ein mutmaßlicher Dealer nach der Aktion durch einen Polizeiarzt. Der frühere Bürgermeister Scherf sieht nun Fehler auch bei sich selbst.

          Der Tod eines mutmaßlichen Drogendealers nach einem polizeilichen Brechmitteleinsatz im Dezember 2004 macht Bremens früheren Bürgermeister Henning Scherf (SPD) bis heute schwer zu schaffen. „Ich fühle mich schuldig, dass ich den Tod dieses Menschen möglich gemacht oder zumindest dieses Verfahren gerechtfertig habe“, sagte der 78 Jahre alte Scherf in einem Gespräch mit dem Kundenmagazin der Allianz Deutschland „1890“ (Januar-Ausgabe). Der Mann sei von der Polizei aufgegriffen worden und habe seine Rauschgiftpäckchen verschluckt. Unter Aufsicht eines Arztes sei er zum Erbrechen gebracht worden. „Er ist dabei kollabiert und gestorben.“

          Scherf sagte, er habe sich immer vor die Polizei und diese Methode gestellt. „Auch wenn andere gesagt haben: ’Das dürft ihr nicht, das ist Folter’. Heute sage ich auch, dass es ein Fehler war.“ Er wolle Fehler nicht schönreden. „Es ist trostlos, wenn man immer nur Recht haben will.“ Der Tod des jungen Mannes aus dem  westafrikanischen Land Sierra Leone jährt sich an diesem Samstag zum zwölften Mal.

          Ein Arzt hatte Laye-Alama Condé am 27. Dezember 2004 im Auftrag der Polizei zwangsweise Brechmittel und mehrere Liter Wasser eingeflößt. Er wollte damit an verschluckte Drogenkügelchen gelangen. Auch nachdem der sich heftig wehrende Mann bewusstlos wurde, setzte der Arzt die Prozedur fort. Wenig später fiel der 35 Jahre alte Flüchtling ins Koma. Am 7. Januar 2005 starb er an den Folgen des Atemstillstandes.

          Die gerichtliche Aufarbeitung des Falles machte bundesweit Schlagzeilen. Es gab drei Verfahren gegen den Polizeiarzt, die 2013 gegen eine Geldauflage eingestellt wurden. Scherf sagte damals vor Gericht zum umstrittenen Brechmitteleinsatz, er habe darin eine in der Justiz nicht umstrittene Beweismittelsicherungspraxis gesehen.

          In Bremen habe es in der Zeit zwischen 1991 und 2004 über 1000 Einsätze von Brechmitteln gegeben, sagte Gundula Oerter, Mitglied einer Initiative, die an Condé erinnert und einen Gedenkort fordert. Mit Scherfs spätem Schuldeingeständnis werde nun offensichtlich, was die Initiative zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bremen gebracht habe: „Herr Scherf hat im Zeugenstand gelogen, als er genauere Kenntnisse über die Gesundheits- bzw. Lebensgefährdung durch die Brechmittelvergabe abstritt.“

           In dem letzten Prozess war erstmals auch Scherf als Zeuge geladen, der von 1995 bis 2005 Bürgermeister und Justizsenator war. Scherf sagte 2013 vor Gericht, es habe seines Wissen bis zu dem tragischen Unglücksfall keinerlei Probleme mit dem Einsatz von Brechmitteln gegeben. „Das war Alltag, strafrechtlicher und beweissichernder Alltag.“

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