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Tod durch Polizeischuss : Warum starb Benno Ohnesorg?

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Der Student Benno Ohnesorg wurde am 2. Juni 1967 von dem Kriminalbeamten Kurras erschossen Bild: ASSOCIATED PRESS

Der Tod des Studenten Ohnesorg radikalisierte die akademische Jugend, weil der Täter so gut ins Bild zu passen schien. Doch nun stellte sich durch einen Aktenfund heraus, dass der Todesschütze Kurras SED-Mitglied war.

          „Welches Signal wäre das gewesen, wenn der beginnenden studentischen und außerparlamentarischen Bewegung das im Juni 1967 bekannt gewesen wäre?“ So fragen Helmut Müller-Enbergs und Cornelia Jabs, die zufällig in den 180 Kilometern Akten des Ministeriums für Staatssicherheit die umfangreiche Akte des damals 39 Jahre alten Kriminalbeamten Karl-Heinz Kurras fanden und seither wissen, dass der tödliche Schuss auf den Studenten Ohnesorg, der so weitreichende Folgen hatte, von einem Mitglied der SED und einem Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi abgegeben wurde. Im Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es damals: „Ein Schuß ist gefallen in West-Berlin. Nämlich in dem Stadt-Teil, der seine ganze Glaubwürde bezieht aus dem Entsetzen über Schüsse, die im anderen, im abgemauerten Teil der Stadt fallen.“

          Was der SED-Staat im freien West-Berlin alles trieb, konnte erst mehr als zwanzig Jahre nach dem Schuss auf Benno Ohnesorg unter Bedingungen der Freiheit recherchiert werden, als die Mauer gefallen und der Staat untergegangen war, der sie bauen ließ. Ob etwas vom Zorn der rebellierenden Jugend sich gegen den real existierenden Sozialismus jenseits der Mauer gerichtet hätte, wenn sie gewusst hätte, dass der Schütze der SED und dem MfS angehörte? Das ist eine reizvolle Spekulation, zumal aus den MfS-Akten das Motiv von Kurras, ohne jeden plausiblen Anlass aus geringer Entfernung auf einen unbewaffneten jungen Mann zu schießen, nicht zu erkennen ist.

          Freispruch im November 1967

          Tatsache aber ist, dass der Schuss auf Ohnesorg weitreichende Folgen hatte, von der die Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni“ nur die offenkundigste ist. Der damalige Regierende Bürgermeister, der evangelische Theologe Heinrich Albertz, verteidigte zunächst ausdrücklich das Vorgehen der Polizei und sagte, der Tote und die Verletzten gingen auf das Konto der Demonstranten, die gegen den Besuch des Schahs von Persien in Berlin protestierten. Nachdem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sowohl der Polizei als auch der politischen Führung Versäumnisse vorwarf, traten der Polizeipräsident, der Innensenator und schließlich, am 26. September 1967, auch Heinrich Albertz zurück: „Ich war am schwächsten, als ich am härtesten war, in jener Nacht des 2. Juni, weil ich dort objektiv das Falsche tat.“

          Der Polizist Karl-Heinz Kurras war Mitglied der SED

          Gegen den Kriminalbeamten Kurras wurde wegen des Schusses ermittelt. Dreimal stand er, angeklagt der fahrlässigen Tötung, vor Gericht, dreimal wurde er freigesprochen, weil seine Darstellung nicht widerlegt werden konnte, er habe sich in der aufgehetzten Stimmung des Tages von Demonstranten derartig bedrängt gesehen und sei im Charlottenburger Hinterhof von zwölf Männern tätlich angegriffen worden, so dass er habe schießen müssen. Kurras hatte die Kleidung reinigen lassen, die er am 2. Juni trug, er wechselte das Magazin der Waffe aus, mit der er geschossen hatte, bevor er sie abgab.

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