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„Titanic“ gegen „Bild“ : „Man hätte sehen können, dass es ein Fake sein kann“

Guerilla-Style: Mit diesem Bild behauptet das Satire-Magazin „Titanic“, dass die „Bild“-Zeitung mit ihrer Geschichte über einen angebliche Schmutzkampagne bei den Jusos auf eine Satire hereingefallen ist Bild: Titanic

Die „Bild“-Zeitung berichtete über einen angeblichen russischen Troll, der Juso-Chef Kühnert Hilfe gegen die Groko angeboten haben soll. Jetzt behauptet das Satiremagazin „Titanic“: Es war eine Satire. Im FAZ.NET-Interview sagt ein Redakteur: „Wir können es beweisen.“

          Am vergangenen Freitag veröffentlichte die „Bild“-Zeitung auf Seite 1 einen Aufmacher mit dem Titel „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“. Darin hieß es, ein anonymer Informant habe der Redaktion Informationen zugespielt, die „brisantes Material“ über den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert enthielten. Ein Russe namens „Juri“ habe Kühnert demnach angeboten, die Juso-Kampagne gegen die große Koalition zu unterstützen. „Der angebliche Beweis: ein unfassbarer E-Mail-Wechsel, der BILD exklusiv vorliegt“, schrieb die Zeitung.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Jetzt behauptet die „Titanic“: Es war eine Fälschung, eine Satire. „Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und ,Bild' druckt alles, was ihnen in die Agenda passt“, heißt es bei dem Satire-Magazin. Und das könne die Titanic beweisen, sagt Redakteur Moritz Hürtgen im FAZ.NET-Interview. Am Mittwochmittag reagiert „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt. Auf Twitter schreibt er, die „Bild“ habe ihren Bericht erst veröffentlicht, nachdem die SPD eine Strafanzeige wegen des angeblichen Mailverkehrs geprüft habe. Noch am Mittwoch werde die „Bild“-Zeitung „alle Details dokumentieren“, so Reichelt. „Meine Meinung: Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht.“

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          Herr Hürtgen, die „Titanic“ behauptet, dass sie hinter den angeblichen Mails steckt, in denen ein russischer Troll dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert Hilfe beim SPD-Mitgliederentscheid gegen die Groko vorgeschlagen haben soll und über die die „Bild“-Zeitung groß berichtet hat. Wie wollen Sie das angestellt haben?

          Wir haben einfach eine Runde „Copy and paste“ gespielt und uns eine Konversation zwischen Kevin Kühnert und einem ominösen Russen namens Juri aus St. Petersburg ausgedacht. Dieser Mailwechsel umfasst neun Mails, die angeblich zwischen beiden hin- und hergingen. Wir haben die Mails aufgeschrieben, die Zeitstempel angepasst und auch einige Serverdaten in eine Maildatei hineinkopiert. Das haben wir dann einem Politikredakteur der „Bild“ per Mail zugespielt, den wir uns vorher ausgesucht und über Twitter kontaktiert hatten.

          Können Sie das beweisen? Oder ist das nur wieder ein Fake-Fake, wie schon öfter bei der „Titanic“ oder Jan Böhmermann?

          Wir haben den Mailwechsel mit der „Bild“ lückenlos dokumentiert und können ohne Probleme beweisen, dass es sich nicht um einen „Varoufake“ handelt wie damals bei Böhmermann. In der April-Ausgabe der „Titanic“ werden wir die Geschichte in aller Schönheit präsentieren.

          Wer war der angebliche Whistleblower?

          Wir haben einen angeblichen anonymen Informanten der Jusos gespielt, der über diese vermeintliche Schmutzkampagne auspacken wollte.

          Ein Screenshot des angeblichen Mailverkehrs zwischen Kevin Kühnert und einem angeblich erfundenen Informanten, von dem die „Titanic“ behauptet, dass sie ihn gefälscht hat

          Und die „Bild“ hat das direkt geschluckt?

          Ja, die waren sofort heiß. Es gab dann noch einige Telefonate mit dem angeblichen Juso-Informanten, die wir mit unterdrückter Nummer geführt haben, und schon stand die Geschichte am Freitag auf der Titelseite. Das war ein schönes Gefühl. Wir hatten ja ausschließlich die „Bild“ kontaktiert, weil wir dachten, dass das doch gut in ihre Anti-SPD-Kampagne passt. Und noch schöner war, dass wir absolut ernst genommen wurden. Es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

          Wie hartnäckig waren die Rückfragen von der „Bild“?

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