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Freizügig auf Tinder : Soldaten sind immer in der Pflicht

Kommandeurin vor dem Bundesverwaltungsgericht Bild: dpa

Es geht nicht um das Privatleben, sondern um die Wirkung nach außen. Wer das partout nicht versteht, sollte die Uniform ganz ausziehen.

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          Privat ist privat. Das gilt grundsätzlich auch für Staatsdiener. Aber sie unterliegen auch Pflichten, die mit ihrem Amt und dessen Wahrnehmung zusammenhängen. So dürfen Soldaten durch ihr außerdienstliches Verhalten das Ansehen der Bundeswehr und die Achtung und das Vertrauen, die ihre Stellung erfordern, nicht ernsthaft beeinträchtigen.

          Auf dieser Grundlage ist nun ein Verweis gegenüber einer Bataillonskommandeurin vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden. Dabei ging es nicht um ihr offenes Sexualleben, auch nicht darum, dass sie früher ein Mann war. Stein des Anstoßes war die freizügige Art und Weise, in der die Soldatin in einem einschlägigen Portal nach Kontakten suchte.

          Die Entscheidung mag man skandalisieren – man kann aber auch fragen, ob man sie im Falle eines Stadtdirektors oder Schulleiters nicht ähnlich treffen würde. Hier geht es um noch mehr. Die Kommandeurin, die mittlerweile in anderer Funktion ist, hatte Verantwortung für etwa tausend Soldaten, denen sie durch Kameradschaft sowie durch Befehl und Gehorsam verbunden ist, insbesondere im Auslandseinsatz auch auf engem Raum. In dieser Stellung kann man sich auch privat nicht völlig ausleben. Es geht nicht darum, wie das konkrete Verhalten der Soldatin im Kameradenkreis ankommt, sondern um die Wirkung nach außen. Wer das partout nicht versteht, sollte die Uniform ganz ausziehen.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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