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Deutsches Industrie-Imperium : Der tragische Kulturkampf um Thyssen-Krupp

Es war einmal: In den siebziger Jahren, als dieses Bild an der August-Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn entstand, war die Welt noch in Ordnung. Bild: Picture-Alliance

Der traditionsreiche Industriekonzern Thyssen-Krupp steht mächtig unter Druck. Investoren wollen mit ihren Anteilen deutlich mehr Geld verdienen als bisher – und könnten damit eines der letzten Industrie-Imperien Deutschlands zerschlagen.

          11 Min.

          In der Bibliothek der Krupp-Stiftung ist die Zeit stehengeblieben. Im Bücherregal steht das Werk „Aufstieg und Fall des römischen Reiches“, daneben Lexika und Merian-Ausgaben von 1956 bis 1966. Die bestickten Sessel stammen wohl aus der Zeit, daneben ein helles Sofa, in dem man versinkt, und ein dicker, hellbeiger Teppichboden, der jeden Laut verschluckt. Nur das Ticken der großen Uhr in der Ecke erfüllt den Raum. Früher war das der Ort, an dem die Krupp-Stiftung, an dem ihr Generalbevollmächtigter Berthold Beitz die Schönen, Reichen und Mächtigen empfing. Beitz, ein gefeierter Jahrhundertmanager, vollzog von hier die Häutungen des Unternehmens, trieb den Strukturwandel voran und arrangierte Ende der neunziger Jahre, dass Krupp mit Thyssen fusionierte.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
          Timo Steppat
          Redakteur in der Politik.

          Beitz ist tot, andere führen die Geschäfte. Aufgabe der Stiftung ist es, die Einheit des Unternehmens zu wahren und mit Gewinnen gemeinnützige Zwecke zu fördern. 200 Meter von der Villa Hügel entfernt, diesem gigantischen ehemaligen Wohnhaus der Krupps, residiert die Stiftung im etwas bescheideneren Gästehaus. Gleich gegenüber der Bibliothek ist ein Raum mit 14 Ledersesseln, in dem das Kuratorium tagt, in den oberen Stockwerken sind Verwaltungsräume. Bei der Stiftung redet man gerne über die Vergangenheit, über die goldene Zeit des Herrn Beitz, auch die verfahrene Situation in der Führungsetage von Thyssen-Krupp bespricht man, bekräftigt dabei jedoch, dass eine Stiftung wie diese zur Zurückhaltung gezwungen sei – namentlich zitiert werden möchte man nicht.

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