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Hohe Infektionszahlen : Renitentes Greiz

  • -Aktualisiert am

Die Altstadt der Kreisstadt Greiz Bild: dpa

Der Thüringer Landkreis ist inzwischen deutschlandweit als Corona-Hotspot bekannt. Dennoch will Greiz die Beschränkungen lockern. Die Regierung in Erfurt könnte durchgreifen, doch die Landrätin stellt sich quer.

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          Im täglichen „Corona-Bulletin“ der Thüringer Landesregierung nahm der Landkreis Greiz am Mittwoch abermals einen Spitzenplatz im negativen Sinne ein. Von hier stammten 15 der 22 Neuinfektionen, die in den vergangenen 24 Stunden in dem Bundesland festgestellt worden waren. Mit 55 neuen Fällen in den vergangenen sieben Tagen liegt der Landkreis im Osten Thüringens damit weiterhin über der Obergrenze von maximal 50 Neuinfektionen, die entscheidend für weitgehende Lockerungen der pandemiebedingten Beschränkungen ist. An der Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens aber wollten sie in Greiz zunächst dennoch festhalten; in einer Allgemeinverfügung vom Dienstag jedenfalls erklärte die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU), lediglich das Besuchs- und Kontaktverbot in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern aufrechtzuerhalten.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Greiz ist einerseits ländlicher Raum, wie er im Bilderbuch steht, zählt aber andererseits zu den in Deutschland am schwersten von der Pandemie betroffenen Gegenden. Inzwischen gibt es hier 553 Corona-Fälle, das ist gut ein Fünftel aller Infektionen in Thüringen, obwohl in dem Landkreis nicht mal fünf Prozent aller Thüringer leben. Auch fast ein Drittel der bisher 127 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona stammt aus Greiz. Der Ursprung aller Fälle, das immerhin ließ sich ermitteln, liegt in mehreren großen Familienfeiern, die es Ende Februar, Anfang März in den Städten Greiz und Zeulenroda im Süden des Landkreises gab. Daran hatten auch aus Österreich und Italien zurückgekehrte Skiurlauber teilgenommen und das Virus unwissentlich verbreitet. Da mehrere Mitarbeiter aus Krankenhäusern und Pflegediensten mitgefeiert hatten, wurde Corona auch in diese Einrichtungen eingeschleppt.

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