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Bodo Ramelow : Thüringens Ministerpräsident will neue Nationalhymne

  • Aktualisiert am

Bodo Ramelow bei seiner Vereidigung um Jahr 2014 Bild: Daniel Pilar

Er singe die Hymne zwar mit, könne aber „das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden“, sagt Bodo Ramelow. Auch das Bildungssystem der DDR lobt er, davon könne sich die Bundesrepublik etwas abschauen.

          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für eine neue Nationalhymne ausgesprochen. „Ich singe die dritte Strophe unserer Nationalhymne mit, aber ich kann das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden“, sagte der Linke-Politiker der „Rheinischen Post“.

          Bei der Nationalhymne handelt es sich um die dritte Strophe des „Lieds der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben („Einigkeit und Recht und Freiheit“). Die Nazis ließen nur die erste Strophe singen („Deutschland, Deutschland über alles“).

          Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall sängen viele Ostdeutsche die Hymne nicht mit, sagte Ramelow weiter. „Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten. Bisher hat dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt.“ Er plädierte für einen neuen Text, „der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins“.

          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) widersprach Ramelow: „Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Emotionen bei unserer Nationalhymne sind. Ich singe sie sehr gern und verbinde damit genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte – die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit.“ Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung. „Das „Lied der Deutschen“ spiegelt die wechselvolle Geschichte unseres Landes - gerade deshalb soll die 3. Strophe unserer Nationalhymne bleiben.“ Ganz neu ist die Forderung von Ramelow nicht. Bereits als PDS-Landtagsfraktionschef in Thüringen hatte er 2005 eine neue Nationalhymne vorgeschlagen. „Wir brauchen eine Hymne in Deutschland, auf die sich alle Menschen positiv berufen können und die nicht missbraucht werden kann“, hatte er damals gesagt. Sein Vorschlag vor 14 Jahren: die Kinderhymne Bertolt Brechts.

          Der damalige thüringische CDU-Generalsekretär und heutige CDU-Landeschef Mike Mohring hatte Ramelow damals „fahrlässigen Umgang mit unseren nationalen Symbolen“ vorgeworfen.

          Im vergangenen Jahr gab es zudem eine Diskussion um den Wortlaut der Nationalhymne. Damals hatte die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium, Kristin Rose-Möhring, vorgeschlagen, künftig statt „Vaterland“ besser „Heimatland“ und statt „brüderlich mit Herz und Hand“ in Zukunft „couragiert mit Herz und Hand“ zu singen. Auch Österreich und Kanada hatten ihre Hymnen in den vergangenen Jahren aus Gleichstellungsgründen geändert.

          Ramelow bedauerte ferner, dass der Westen nicht die Errungenschaft der DDR des längeren gemeinsamen Lernens in der Schule übernommen habe, das soziales Verhalten fördere. „Wenn wir in der digitalisierten und beschleunigten Welt die soziale Kompetenz nicht stärken, werden wir uns noch schwer wundern. Wir schaffen dann auf den Einsatz von Ellenbogen trainierte Leute, die als Vorgesetzte in den Firmen zum Problem werden, weil sie so etwas wie Rücksicht und Einfühlungsvermögen nie gelernt haben. Wenn wir demgegenüber eine andere, sozialere Entwicklung unserer Schüler wünschen – das Schulsystem in der DDR minus Margot Honecker und dem ganzen ideologischen Brimborium böte dafür durchaus einiges an Potential.“

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