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Thüringen : Zu seinem Glück gezwungen

Thomas Kemmerich am Donnerstag in Erfurt Bild: Getty

Eigentlich wollte Thomas Kemmerich Ministerpräsident bleiben. Dass er trotzdem Neuwahlen zustimmte, hat mit Christian Lindner zu tun. Der FDP-Chef hatte Kemmerich keine Wahl gelassen.

          8 Min.

          Es war am Donnerstag um 14 Uhr, als Thüringens am Vortag überraschend gewählter Ministerpräsident Thomas Kemmerich in der Erfurter Staatskanzlei bekanntgab, sein Amt wieder zur Verfügung zu stellen. Die FDP-Fraktion werde die Auflösung des Landtags beantragen, um damit den Weg für Neuwahlen freizumachen. Damit solle der „Makel der Unterstützung durch die AfD vom Amt des Ministerpräsidenten“ genommen werden, sagte Kemmerich mit der gleichen Ruhe, mit der er gut 24 Stunden zuvor im Parlament die Wahl zum Regierungschef angenommen hatte. Sah er noch am Mittwoch kein Problem darin, dass mutmaßlich alle 22 AfD-Abgeordneten seine Wahl überhaupt erst möglich gemacht hatten, sagte Kemmerich nun: „Demokraten brauchen demokratische Mehrheiten, die sich offensichtlich in diesem Parlament nicht herstellen lassen.“

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Zu dieser Einsicht war Kemmerich freilich nicht ganz freiwillig gelangt, sondern erst nach einem langen Gespräch mit dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner, der am Vormittag in der Staatskanzlei in Erfurt eintraf. Das daraufhin angekündigte Presse-Statement wurde immer wieder verschoben, weil Kemmerich dem Vernehmen nach darauf beharrte, im Amt zu bleiben. Erst als Lindner mit seinem eigenen Rücktritt gedroht haben soll, habe Kemmerich eingelenkt. Danach traten beide nicht gemeinsam, sondern im Abstand von einer Stunde sowie an verschiedenen Orten vor die Mikrofone.

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