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Nach Wahl in Thüringen : Für die CDU geht es immer weiter abwärts

Mike Mohring und Annegret Kramp-Karrenbauer nach der Thüringen-Wahl Bild: Reuters

Der Keim des Scheiterns liegt für die CDU nicht in den Ländern, sondern im Bund. Doch es gibt niemanden, der das Steuer herumreißen könnte oder wollte. Denn das bedeutete einen Regierungswechsel.

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          Was auch immer die CDU jetzt tut, es wird sie nicht beglücken. Führt sie Gespräche mit der Linkspartei, wozu Mike Mohring offenbar bereit ist, wird es zwar heißen, sie tue das staatspolitisch Vernünftige. Aber es ist zugleich ein Kotau vor der Partei, die sie in den vergangenen Jahrzehnten heftig bekämpft hat. Das wird den Teil der Partei weiter irritieren und entfremden, der Angela Merkel vorwirft, durch einen Linkskurs das Feld geschaffen zu haben, auf dem sich heute die AfD tummelt.

          Geht sie in die Opposition, stellt die CDU ihre Aversion gegen die Linkspartei über den Kampf gegen die AfD. Denn an deren Seite, ob sie will oder nicht, sitzt sie dann im Landtag. Bodo Ramelow wird sich umso mehr als Landesvater stilisieren können, auf dessen Schultern die ganze Last der Landespolitik liegt.

          Wie schon in den vergangenen Landtagswahlen zeigt sich damit das Dilemma der CDU: Wendet sie sich nach links, zerfranst der rechte Flügel; wendet sie sich nach rechts, begehrt der linke Flügel auf. Wo sonst die Grünen warten, stand in Thüringen Ramelow bereit.

          Mohring steht wie kaum ein anderer in der CDU für diesen Zweifrontenkrieg. Vor Jahren liebäugelte er noch mit Kontakten zur AfD, jetzt muss er sich gegen die Bundes-CDU wenden, um das Tabu in die andere Richtung zu brechen.

          Für die CDU wird es, nachdem schon die SPD in ein tiefes Loch gefallen ist, immer schlimmer, nicht besser. Der Keim des Scheiterns liegt nicht in den Ländern, sondern im Bund, wo die große Koalition keinen Ausweg bietet, den Fliehkräften zu entkommen. Die Ansicht, der Aufstieg der AfD biete ihr eine bequeme Lage, weil ohne sie dann nicht regiert werden kann, entpuppt sich als Spiel mit dem Feuer. Aber vorerst gilt offenbar noch immer die Devise: Augen zu und durch. Es gibt niemanden, der dem Schauspiel ein Ende bereiten könnte oder wollte.

                

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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