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Studie zur politischen Kultur : Mehrheit der Thüringer fühlt sich ungerecht behandelt

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Seit 2000 beobachtet die thüringische Landesregierung die Entwicklung der politischen Kultur in dem Bundesland. Bild: dpa

Mit dem Thüringen-Monitor beobachtet die Landesregierung seit Jahren die politische Kultur in dem Bundesland. Die Thüringer sind derzeit sehr zufrieden mit ihrem Lebensstandard – aber nicht mit ihrem Status als Ostdeutsche.

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          Trotz einer hohen Zufriedenheit (93 Prozent) mit ihrem persönlichen Lebensstandard fühlt sich die Mehrheit der Thüringer (53 Prozent) offenbar ungerecht behandelt. Das ergab eine repräsentative Umfrage für den diesjährigen Thüringen-Monitor, der am Mittwoch in Erfurt vorgestellt wurde. Dieser Widerspruch basiere auch auf dem Gefühl, individuell (37 Prozent) oder kollektiv (49 Prozent) als Ostdeutscher benachteiligt zu sein, stellten die Autoren der Langzeitstudie fest. Dieser Mangel oder Verlust an Zuwendung, der sogenannten Ostdeprivation, biete auch mit eine Erklärung für rechtextremistische, neo-nationalsozialistische und fremdenfeindliche Einstellungen, hieß es.

          Wie in den Vorjahren zeige sich eine „Emotionalisierung und Entrationalisierung“ der politischen Kultur im Land, dass sich in einem widersprüchlichen „wilden Denken“ der Thüringer äußere, so die Autoren. So sei die Zufriedenheit mit der „Demokratie, so wie sie in Deutschland funktioniert“ seit 2015 von 47 auf 65 Prozent der Befragten in diesem Jahr gestiegen. Gleichbleibende 69 Prozent der Thüringer meinten aber auch, dass „in unserer Demokratie die Anliegen der Menschen nicht mehr wirksam vertreten“ würden. 63 Prozent der Befragten erklärten zudem, dass Deutschland jetzt eine starke Partei brauche, „die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“, so die Ergebnisse des Monitors.

          Während vor diesem Hintergrund das Maß rechtsextremer Ansichten nur leicht auf 19 Prozent der Befragten gestiegen sei, habe die abwehrende Haltung gegenüber Flüchtlingen deutlich zugelegt. So sei innerhalb eines Jahres die Zustimmung dafür, dass der Staat bei der „Prüfung von Asylanträgen nicht großzügig sein“ soll, von 73 auf 83 Prozent angestiegen, hieß es weiter.

          Der „Thüringen-Monitor“ wurde nach dem Brandanschlag auf die Erfurter Synagoge im Jahr 2000 initiiert. Die Langzeitstudie zur Entwicklung der politischen Kultur wird im Auftrag der Staatskanzlei realisiert und gibt bereits zum 17. Mal Einblicke in das Befinden und die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger des Freistaates. Laut der Staatskanzlei ist Thüringen damit das einzige Bundesland, das eine solche Langzeitbeobachtung macht.

          Die Studie wird von einem Forscherteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter der Leitung von Heinrich Best realisiert. Zuletzt wurden dafür 1.032 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Thüringer zwischen dem 9. Mai und dem 26. Juni 2017 telefonisch befragt.

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