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Thüringen : Landräte, die sich wie Fürsten fühlen

Können miteinander: CDU-Fraktionsvorsitzender Voigt, Ministerpräsident Ramelow (v.l.) Bild: dpa

In Thüringen sind die Landräte unabhängiger als anderswo. Bündnisse schließen sie auch schon mal nach Lage anstatt nach Parteizugehörigkeit. Das hat vor allem historische Gründe.

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          Der Thüringer Landtag versammelt sich in der Corona-Zeit nicht im gewohnten Plenarsaal, sondern in der Konferenzebene des Erfurter Stadions. Die Abgeordneten sowie die Vertreter von Präsidium und Regierung nehmen an Einzeltischen Platz, deren Aufteilung es mit sich bringt, dass Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linkspartei direkt gegenüber von Mario Voigt sitzt, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden. Ramelow spricht ihn stets mit „Herrn Professor Voigt“ an. Das klingt leicht ironisch, nicht nur weil Voigt zwanzig Jahre jünger ist.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Der Linken-Politiker und der konservative Professor haben einen gemeinsamen Weg gefunden, den Freistaat zumindest übergangsweise regierungsfähig zu halten nach den Verwerfungen im vergangenen Jahr. Die rot-rot-grüne Minderheitsregierung und die Union haben für eine begrenzte Zeit eine Art der Zusammenarbeit beschlossen, die freilich nicht so heißen soll. Dass es so kommen würde, danach hatte es noch lange nach der Landtagswahl 2019 nicht ausgesehen, im Gegenteil: Vier Monate wirkte Thüringen wie der Drehort einer Polit-Krimi-Serie mit den unglaublichsten Volten, die beim richtigen Film die Drehbuchautoren wohl als unrealistisch wieder hätten herausstreichen müssen.

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