https://www.faz.net/-gpf-9wh0m

Thüringen : Linke wirft Kemmerich „Machtgeilheit“ vor

  • Aktualisiert am

Der Blumenstrauß, den Linken-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow im Landtag Thomas Kemmerich vor die Füße geworfen hatte. Bild: dpa

„Tiefe Verachtung“ habe sie empfunden, sagt die Thüringer Linke-Chefin Hennig-Wellsow. Sie bereue ihren Blumenstrauß-Wurf vor die Füße des FDP-Politikers Kemmerich nicht. Als Folge der Thüringen-Wahl debattiert die CDU weiter um die Nachfolge an der Parteispitze.

          2 Min.

          Die Thüringer Linke-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow bereut es nicht, dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Blumen vor die Füße geworfen zu haben. Man könne Kemmerich nicht nur einfach Naivität unterstellen, sagte Hennig-Wellsow am Mittwoch in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Auf die Frage, warum er ihrer Meinung nach die Wahl annahm, sagte Hennig-Wellsow: „Ich glaube, es war reine Machtgeilheit.“

          Sie habe sich daran erinnert, wie wenige Tage vor der Ministerpräsidentenwahl im Landtag noch zusammen mit Überlebenden an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald gedacht wurde. Als das Wahlergebnis verkündet wurde, habe sie „tiefe Verachtung“ gegen Kemmerich empfunden. Ihre Aktion mit dem Blumenstrauß bereue sie daher „keine Sekunde“.

          Kemmerich hatte sich vergangene Woche auch mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen und die Wahl angenommen. Als Folge der anschließenden Empörung und Diskussionen wurde mangelnder Rückhalt für die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer deutlich. Sie kündigte darauf ihren Rückzug vom Parteivorsitz an.

          Strobl will Abstimmung mit CSU bei Führungsfrage

          Bei der Suche nach einem neuen Parteichef und Kanzlerkandidaten forderte der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl eine „enge Abstimmung“ mit der CSU. Der baden-württembergische CDU-Landesvorsitzende bezeichnete es als „großes Verdienst“ von Kramp-Karrenbauer sowie von CSU-Chef Markus Söder, „dass wir zwischen den Unionsschwestern wieder ein Verhältnis haben, das so ist, wie man sich das in einer guten Familie wünscht“. Deshalb müsse das Verfahren zur Suche des CDU-Chefs und Kanzlerkandidaten auch gut mit der CSU abgestimmt sein, sagte Strobl den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

          Am Mittwochabend war bekannt geworden, dass der Wechsel an der CDU-Spitze möglicherweise schneller vollzogen werden könnte als zunächst von Kramp-Karrenbauer geplant. Zur Neuwahl des Vorsitzenden könne auch ein Sonderparteitag einberufen werden, der vor dem für Dezember angesetzten regulären Parteitag stattfindet, hieß es aus der CDU-Bundeszentrale. Ob, wie und wo dieser Sonderparteitag stattfindet, stehe aber noch nicht fest.

          Sonderparteitag denkbar

          Kramp-Karrenbauer hatte am Montag bei der Ankündigung ihres Rückzugs einen Zeitplan für die Nachfolgeregelung vorgestellt, an dem in der Union zunehmend Kritik laut geworden war. Der Plan sieht vor, bis zum Sommer einen Kanzlerkandidaten zu finden und diesen dann erst beim regulären Parteitag im Dezember zum Vorsitzenden zu wählen. Dieses Verfahren dauere viel zu lange, monierten Kritiker. Kramp-Karrenbauer wolle ab kommender Woche Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen, erfuhr die Agentur AFP aus Parteikreisen.

          Eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur, die unter Berufung auf das Umfeld von Friedrich Merz dessen Kandidatur für den CDU-Vorsitz ankündigte, wollte dieser am Mittwochabend weder bestätigen noch dementieren. „Wir müssen in Ruhe miteinander reden“, sagte der frühere Unionsfraktionschef der F.A.Z. Es gebe überhaupt keinen Grund, Hektik reinzubringen.

          Als weitere mögliche Anwärter gelten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet.

          Weitere Themen

          Über Recht und Ethik in der Coronakrise Video-Seite öffnen

          Wann kommt der Exit? : Über Recht und Ethik in der Coronakrise

          Der Deutsche Ethikrat berät Bund und Länder auch und vor allem während der Corona-Pandemie. Unter anderem fordert er eine öffentliche Debatte über Exit-Strategien und eine gerechte Verteilung der Beatmungsgeräte.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.