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Thomas Oppermann : Zweitwichtigster – mit Widerwillen

Thomas Oppermann Bild: dpa

Mit 91 Prozent der Stimmen wurde Thomas Oppermann zum SPD-Fraktionsvorsitzenden gewählt. Nach anfänglichem Widerstand fügt er sich in diese Rolle. Eigentlich wäre der Niedersachse gern Minister geworden.

          Als Sigmar Gabriel am Sonntag den designierten Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion der Öffentlichkeit präsentierte, ließ sich seinen Worten immer noch entnehmen, wie sehr der SPD-Vorsitzende Thomas Oppermann hatte bedrängen müssen, dieses Amt zu übernehmen. Es sei das zweitwichtigste nach dem Parteivorsitz, sagte er und verwies auf die großen Vorgänger in dieser Funktion.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Es ist ein offenes Geheimnis, dass der bisherige Erste Parlamentarische Geschäftsführer eigentlich in die Regierung strebte. Das ehemalige Mitglied im „Kompetenzteam“ des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück wäre am liebsten Innenminister geworden. Als ihm der Kabinettszuschnitt bekannt wurde, spekulierte er auf das Justizressort. Da Gabriel darauf bestanden hatte, dass entweder er oder Frank-Walter Steinmeier die Fraktion führen sollte und letzterer ins Auswärtige Amt zurückkehren wollte, fügte sich er letztlich.

          Gewiss hatte Oppermanns anfänglicher Widerstand auch damit zu tun, dass er in Teilen der Fraktion nicht beliebt ist. Vor zwei Jahren, bei seiner Wiederwahl zum Fraktionsgeschäftsführer hatte der Parteirechte nur 64 Prozent erhalten – auch als Quittung für manch harte Entscheidung, die er für Steinmeier durchzuboxen hatte, etwa die Sparmaßnahmen in der Fraktion nach der Wahlniederlage 2009.

          Gewiefter Stratege und verlässlicher Partner

          Am Montag erhielt er nun 91 Prozent – die Fraktion ist größer, viele Abgeordnete sind neu, Oppermann ist Teil eines abgerundeten Personalpakets und trotz des Wahlergebnisses vom 22. September herrscht in der SPD zurzeit Heiterkeit. Ihm zur Seite steht künftig in seiner früheren Funktion Christine Lambrecht, eine Parteilinke aus Südhessen.

          Die Vermutung wäre falsch, aus Oppermanns eigentlicher Jobpräferenz zu folgern, dass ihm die parlamentarische Arbeit ihm fremd geblieben ist. Im Gegenteil: Als Fraktionsgeschäftsführer erwies er sich als gewiefter Stratege und – auch bei seinen Kollegen in der Unionsfraktion und bei den Grünen – als verlässlicher Partner. Womöglich hatte sein Drang in die Exekutive mit einem biografischen Trauma zu tun: Nachdem er 1990 in den niedersächsischen Landtag eingezogen war, berief ihn Gerhard Schröder 1998 als jüngstes Kabinettsmitglied zum Wissenschaftsminister. Dass es bereits 2003 wieder vorbei war mit dem Regieren, hatte er Gabriel zu verdanken, der die Landtagsmehrheit verloren hatte. Die folgende Oppositionszeit in Hannover muss eine Qual gewesen sein. In der Bundestagswahl 2005 gewann er als Göttinger Wahlkreiskandidat das Direktmandat.

          Nach Göttingen hatte den 1954 geborenen Westfalen das Jura-Studium verschlagen. Als einziges von vier Kindern eines Molkereimeisters hatte er das Abitur gemacht. Ein Anglistik-Studium in Tübingen unterbrach der Wehrdienstverweigerer für einen einjährigen Aufenthalt als „Community Organizer“ in Amerika. Erst danach wechselte der ehrgeizige Mann das Fach und nahm das rechtswissenschaftliche Studium auf. Der begeisterte Fußballer hat aus erster Ehe zwei Kinder; mit seiner jetzigen Lebenspartnerin zwei weitere.

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