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Edathy-Affäre : Oppermann nennt Vorwürfe „völlig absurd“

  • Aktualisiert am

„Schon aus Selbstschutz nicht“: Oppermann widerspricht den Aussagen des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy. Bild: dpa

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Oppermann hat weiteren Vorwürfen Edathys widersprochen. Derweil gibt es Überlegungen, Oppermann früher als geplant im Untersuchungsausschuss des Bundestags zu vernehmen.

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          Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, hat weiteren Vorwürfen des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy widersprochen. Oppermann wies Edathys Aussage zurück, er habe den Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann zur Seite genommen und mit ihm erörtert, wie man einen möglichen Suizid Edathys kommentiere.

          Den Vorwurf nannte Oppermann gegenüber dem „Spiegel“ „völlig absurd“. Dieser bezöge sich auf einen Zeitpunkt im Dezember 2013, zu dem die Kanzlerin gewählt worden sei. Damals sei Edathy abwesend gewesen, „und ich war voll darauf konzentriert, bei der Kanzlerinwahl alle Stimmen zusammenzubekommen“, sagte Oppermann. „Über so was redest du in einer solchen Situation nicht. Schon aus Selbstschutz“.

          Zuvor hatte Oppermann auch die Aussage Edathys vom Donnerstag zurückgewiesen, er habe seinen Büroleiter über die Vorwürfe gegen den Politiker informiert. Oppermann verneinte im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung diese Frage. „Ich habe mein Wissen über den Fall Edathy bis zu dessen Mandatsniederlegung keinem meiner Mitarbeiter anvertraut“, sagte Oppermann.

          Edathy hatte am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags Oppermann unter anderem vorgeworfen, dieser habe ihn indirekt über seinen Büroleiter zum Mandatsverzicht gedrängt. Edathy will außerdem von Hartmann vor den Ermittlungen gewarnt worden sein. Dazu sagte Oppermann der „Bild“-Zeitung, dies sei eine „abenteuerliche Behauptung“. Er halte dies für „total abwegig“. Oppermann soll im kommenden Jahr vor dem Untersuchungsausschuss aussagen.

          Frieser: „Das bringt die Koalition nicht zu Fall“

          Unterdessen äußerte der stellvertretende Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Michael Frieser (CSU): „Wahrscheinlich ist es sinnvoll, SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schon früher als geplant als Zeugen im Untersuchungsausschuss zu vernehmen“.

          Mit Blick auf die verschiedenen Vorwürfe von Geheimnisverrat und Falschaussage, die im Ausschuss gegen SPD-Mitglieder erhoben worden waren, sagte Frieser: „Das bringt die Koalition nicht zu Fall.“ Derweil wurden von Seiten Edathys über seine Facebook-Seite am Freitag weitere Vorwürfe geäußert. In dem sozialen Netzwerk bezichtigte er den SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach der Lüge.

          Dieser hatte am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ gesagt, er habe Edathy im Februar medizinische Hilfe angeboten. Edathy schrieb dazu: „Ist schlicht gelogen. Und das auch noch völlig ohne Not.“ Edathy hatte sein Mandat im Februar niedergelegt, als bekanntgeworden war, dass gegen ihn wegen des Erwerbs von kinderpornografischem Material  ermittelt wird.

          In seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss am Donnerstag hatte Edathy geäußert, Hartmann habe ihm Informationen über das Ermittlungsverfahren gegeben. Diese habe er vom früheren Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, erhalten. Hartmann bestreitet dies. Oppermann sollte nach dem bisherigen Zeitplan im April befragt werden. Ziercke muss am 15. Januar vor dem Ausschuss Rede und Antwort stehen.

          Fall Edathy : Untersuchungsausschuss lädt auch Hartmann als Zeugen

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