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Thomas de Maizière im Gespräch : „Giert nicht nach Anerkennung!“

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„Wenn es ernst wird, verhalten sich alle hochprofessionell, nüchtern, nicht kriegslüstern“ Bild: Thomas Fuchs

Der Verteidigungsminister spricht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über das Ansehen der Truppe, Liebe in der Ehe und Langeweile im Job. De Maizière kritisiert, Soldaten seien „geradezu süchtig“ nach Anerkennung.

          Soldaten klagen oft, niemand interessiere sich für ihren harten Job, in dem sie ihr Leben in Afghanistan riskierten. Fehlt der öffentliche Zuspruch für die Bundeswehr, Herr de Maizière?

          Ich habe lange so gedacht und so geredet. Inzwischen sehe ich das anders. Durch den Einsatz in Afghanistan ist die öffentliche Zuwendung zu den Soldaten und zur Bundeswehr deutlich größer geworden.

          Zuwendung? Der Afghanistan-Einsatz ist doch in der Gesellschaft höchst umstritten.

          Der Einsatz schon. Aber die Anerkennung dessen, was Soldaten tun, hat zugenommen. Es gibt zum Beispiel in den Medien große Artikel darüber, wie sich Soldaten im Auslandseinsatz und danach fühlen oder wie es ihren Angehörigen damit geht. Das war auch mehrfach Thema des „Tatort“, es gibt Spielfilme, Dokumentationen, sogar Romane. Das alles wird nicht aus Nächstenliebe gemacht, sondern weil die Bevölkerung sich dafür interessiert.

          Soldat sein zählt wieder was?

          Es gibt jedenfalls kaum noch aggressive Reaktionen, etwa Sprüche wie „Soldaten sind Mörder“. Die Justiz ist nur noch selten mit Klagen wegen der Beleidigung von Soldaten befasst. Aus dem „freundlichen Desinteresse“, wie es der frühere Bundespräsident Horst Köhler mal nannte, ist längst freundliches Interesse an der Bundeswehr geworden.

          Woraus schließen Sie das?

          Das zeigen Studien und Umfragen. Eine ging der Frage nach: Wer wird als guter Arbeitgeber gesehen? Da gab es Telekom, BMW, SAP, Polizei und so weiter. Die Bundeswehr kam auf Platz drei. Bei einer anderen Studie zur Wertschätzung von Institutionen sind Polizei und Justiz hoch angesehen, Politik und Journalismus stets schlecht. Auch da ist die Bundeswehr unter den besten fünf. Genau so ist es mit Erhebungen, die nach dem Ansehen von Berufen fragen. Der Offizier ist unter den ersten zehn beliebtesten Berufen. Was will man eigentlich mehr?

          Sind die Soldaten also weinerlich?

          Nein. Etliche Soldaten glauben jedoch, dass sie viel weniger anerkannt werden, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Sie haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. Sie sind vielleicht geradezu süchtig danach.

          Thomas de Maizière Bilderstrecke

          Was sagen Sie denen?

          Ich sage den Soldaten: Hört einfach auf, dauernd nach Anerkennung zu gieren. Die Wertschätzung anderer bekommt man nicht dadurch, dass man danach fragt, sondern dass man gute Arbeit leistet. Wenn unter Eheleuten ein Partner den anderen fünfmal am Tag fragt, ob er ihn noch liebt, erhöht das nicht die Liebe. Auch ein Lob wirkt, wenn es selten ausgesprochen wird, viel stärker.

          Da Sie gerade von Eheleuten sprechen. Ihre Frau hat uns in einem Interview gesagt, sogar die Kinder von Soldaten verschwiegen in der Schule, dass der Vater im Auslandseinsatz sei, weil sie Angst vor dummen Sprüchen hätten. Wer hat jetzt recht im Hause de Maizière: Ihre Frau oder Sie?

          Wir reden über diese scheinbar sich widersprechenden Phänomene. Grund dafür ist aber meistens nicht Ablehnung dessen, was die Soldaten tun, sondern Unkenntnis. Es scheint so zu sein, dass die Deutschen sich dem Individuum Soldat zuwenden, dem Bereich Militär gegenüber jedoch sehr verhalten sind.

          Wird die Entscheidung für den Soldatenberuf so wie bei anderen Tätigkeiten getroffen: Was gibt es für ein Angebot? Ist das ein stabiler Job? Wie viel Kohle gibt es?

          Beim Einstieg in den Beruf mag es so sein. Deswegen sind auch ein gutes Gehalt und Aufstiegschancen wichtig. Wenn man dann Soldat ist, wird es anders. Denn dann kommt etwas dazu, das altmodisch klingt, es aber nicht ist: Kameradschaft. Das ist etwas anderes als Teamgeist. Dass ein Rekrut, ein Feldwebel und ein General sich zusammen und gemeinsam als Soldaten empfinden, dass auf der Patrouillenfahrt in Afghanistan unter hoher Gefahr formale Dienstgrade praktisch keine Rolle mehr spielen, diese Form von Zusammengehörigkeit gibt es in keinem anderen Beruf.

          Die Soldaten haben im Auslandseinsatz Computerprogramme, die täglich ausrechnen, wie lange es noch dauert, wie viel Auslandszulage, wie viel Sonderurlaub sie schon zusammenhaben. Manchmal entblättert sich dabei eine junge Frau, bis sie am Ende des Einsatzes nackt auf dem Bildschirm steht. Geht es nicht doch mehr ums Verdienen als ums Dienen?

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