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Verteidigungsminister Thomas de Maizière : Dienende Haltung, harte Hand

Am Ort präsent: Mit Moscheen hatte er schon als Innenminister zu tun Bild: dpa

Thomas de Maizière ist für Angela Merkel ein „Allrounder“, ein ordnungsliebender Staatsdiener, ein Strippenzieher ohne Allüren, kein Vortänzer und Lautsprecher. Also das genaue Gegenteil seines Amtsvorgängers Karl-Theodor zu Guttenberg.

          Mitte Februar, ein kühler Montagmorgen. Die Ministerkolonne schlängelt sich kurz nach sieben Uhr durch Dresden und hält bei einem Bäcker. Thomas de Maizière, Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, steigt aus. Zwei Sicherheitsbeamte ebenfalls. Der Minister geht zum Bäcker und kauft sich ein belegtes Brötchen. Dann geht es weiter zum Flughafen Klotsche, dort erwartet ihn ein Hubschrauber der Bundespolizei. Gestern war Thomas de Maizière bei der Dresdner Anti-Nazi-Demo. Er hatte sich eingereiht in die Menschenkette, die das Herz ihrer Stadt umschloss, um sie symbolisch vor den Neonazis zu schützen, die seit Jahren das Gedenken an die Bombennacht vom 13. Februar 1945 mit ihren Gröl-Aufzügen schänden. De Maizière war dort als Bürger, nicht als Minister, denn Dresden ist nach vielen Wanderjahren seine Heimat geworden. Endlich hat er eine. Seit 1999 lebt er hier mit seiner Frau und den drei Kindern. Noch an keinem Ort war er in seinen 57 Lebensjahren länger zu Hause als in der schönen Altbau-Mietwohnung in Dresden-Blasewitz.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Kurz nach sieben steigt der polizeiblaue Helikopter in den Himmel, de Maizière packt das Brötchen aus, schlägt die Zeitungen auf. Der Innenminister fliegt nach Nürnberg zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, wo er auf einer Tagung zum Islamunterricht an Schulen sprechen soll. Auch den neuen Präsidenten des Bundesamtes, Manfred Schmidt, will er besuchen. Er hat den Beamten aus dem Innenministerium nach Nürnberg befördert. Schmidt ist Teil der Anpassungsarbeiten, mit denen der frühere Kanzleramtsminister de Maizière das Innenministerium auf sich und die neuen Aufgaben zugeschnitten hat. Abteilungen wurden neu besetzt, ein Staatssekretär entlassen, Vertraute im Haus positioniert. Sein politischer Weggefährte Beemelmans übernahm die Grundsatzabteilung, mit dem Sprecher Paris hat sich ein perfektes Zusammenwirken etabliert, sein Innenstaatssekretär Fritsche, den er aus dem Kanzleramt mitgebracht hat, ist zum anerkannten Manager der Sicherheitsaufgaben des Ministeriums geworden. In drei, vier Wochen soll eine Entscheidung über die Fusion von Bundespolizei und Bundeskriminalamt fallen, de Maizières zu dem Zeitpunkt schwierigstes Projekt.

          Der Minister lobt das mit Petraeus' Namen verbundene Konzept

          Das war im Februar. Keine zwei Monate später, wieder ein Hubschrauber, aber sonst ist alles anders. Das vormals schwierigste Projekt wurde (vom Nachfolger) abgeblasen, und Thomas de Maizière hat eine neue, noch viel größere und kompliziertere Baustelle. Er ist nicht mehr für die Polizisten zuständig, sondern für die Soldaten, und jetzt klettert er auf einem staubigen Fußballplatz in Kabul aus einem amerikanischen „Black Hawk“. Es ist nur eine kurze Strecke vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt zum Hauptquartier der internationalen Isaf-Truppe, aber es hat eine Anschlagswarnung gegeben, und Konvoifahrten durch womöglich verstopfte Straßen machen die Sicherheitsleute ohnedies immer nervös.

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