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Humboldt-Universität in Berlin : Hinabgestiegen in das Reich der Theologie

Verspätung: Die Errichtung der Institute für katholische und für islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität sollte eigentlich bis zum Wintersemester 2018/19 abgeschlossen sein. Bild: Picture-Alliance

Das Zusammenspiel der Theologien an der Humboldt-Universität zu Berlin gestaltet sich schwierig – die Zeitpläne sind schon jetzt Makulatur.

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          Die Errichtung je eines Instituts für katholische und für islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität lässt auf sich warten. In einer frühen Phase hatte der Berliner Senat im Sommer 2016 darauf gesetzt, dass das erste Institut für Islamische Theologie in Berlin zum Wintersemester 2018/19 seine Arbeit aufnehmen könne. Nach der Neuwahl des Abgeordnetenhauses im Herbst 2016 stellte sich zu allgemeiner Überraschung heraus, dass die drei Regierungsparteien SPD, Grüne und Linkspartei neben der islamischen auch die katholische Theologie in der Hauptstadt stärken wollten. Das Institut für katholische Theologie an der Freien Universität (FU), das seit Jahren ein Schattendasein fristet, sollte dazu an die Humboldt-Universität (HU) verlegt und vergrößert werden. An der evangelisch-theologischen Fakultät der HU wiederum erwogen der damalige Dekan Cilliers Breytenbach und einige Professoren, alle Theologien einschließlich der jüdischen unter dem Dach der HU zusammenzuführen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Die Errichtung des Instituts für Islamische Theologie an der HU ist inzwischen durch den im vergangenen Herbst unterzeichneten Hochschulvertrag zwischen dem Senat und der HU besiegelt. Die neue Einrichtung, so heißt es darin, solle bekenntnisgebundene Studiengänge anbieten und insbesondere Theologinnen und Theologen sowie Lehrkräfte ausbilden. Bei Entscheidungen der HU, die das muslimische Bekenntnis betreffen, solle ein Beirat „im verfassungsrechtlich gebotenen Umfang“ einbezogen werden. Für die Errichtung des Instituts erhält die HU aus Landesmitteln bis zum Jahr 2022 insgesamt rund 14 Millionen Euro. In diesem Zeitraum soll die HU überdies mit einem „überzeugenden Konzept“ zusätzliche Fördermittel beim Bundesbildungsministerium einwerben, um ein Zentrum für Islamische Studien zu errichten.

          Ob das Institut, wie vom Senat gewünscht, vom kommenden Wintersemester an arbeitsfähig sein wird, erscheint mittlerweile unrealistisch. Der im vergangenen März ernannte Gründungsbeauftragte der HU für das Institut, der emeritierte Historiker Michael Borgolte, sagte jüngst dem Evangelischen Pressedienst, Ende März solle ein von seiner „Arbeitsgemeinschaft Islamische Theologie“ ausgehandelter Vertrag über die Konstituierung eines Institutsbeirates allen Parteien zur Unterschrift vorgelegt werden. Der Studienbetrieb könne dann mit einem Jahr Verzögerung zum Wintersemester 2019/20 aufgenommen werden. Kritik der Rechtsanwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ates an der Zusammensetzung der Arbeitsgemeinschaft und des geplanten Beitrags wies Borgolte zurück. Auf den Vorhalt, dass ausschließlich konservative Islamverbände beteiligt seien, erwiderte der Historiker, man könne während des Prozesses die Zusammensetzung nicht ändern.

          Den Studienbetrieb zum Wintersemester aufnehmen wird wohl auch nicht das Seminar für katholische Theologie. Die Gespräche zwischen der FU und der HU über die Verlagerung des Seminars mit derzeit zwei Professuren inklusive Ausstattung ziehen sich hin. Im Erfolgsfall hat sich das Land verpflichtet, zwei weitere Professuren zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass eine fünfte Professur eingerichtet werden könnte, die sich besonderen ethischen Fragen widmet.

          Mit Blick auf diese Konstellation hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch Ende Dezember seine Unterschrift unter ein Papier gesetzt, das den Titel „Profil und Einrichtung für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin“ trägt. Koch schlägt vor, Theologie an der HU „im Spannungsfeld von Religionslosigkeit und religiöser Pluralisierung“ so auszurichten, dass die „Kernbotschaft des Christentums hinsichtlich des Menschen und seiner Personhaftigkeit“ erkennbar wird. Geschehen soll dies im Rückgriff auf die biblischen Texte und die christliche Lehrtradition sowie auf die globale Geschichte des Christentums und der Kirchen, aber stets in Auseinandersetzung mit „neuen Herausforderungen für das Verständnis der Personalität des Menschen, vor allem auf den Gebieten der Medizin, der Biowissenschaften und der Hirnforschung“. Unabdingbar für das Institut seien „internationale Sichtbarkeit“ und „Forschungsintensität“.

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