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Nach Debakel bei Corona-Tests : Bayern sucht weiter nach 46 Infizierten

Immer noch wissen mehrere Dutzend Urlaubsrückkehrer, die sich an bayerischen Stationen auf Corona haben testen lassen, noch nichts von ihren positiven Ergebnissen. Bild: dpa

Mit teils wochenlanger Verzögerung konnten bisher 903 der insgesamt 949 betroffenen Urlaubsrückkehrer über ihr positives Testergebnis informiert werden. Die Polizei unterstützt die Gesundheitsbehörden bei der Suche.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Im Zuge der Probleme an bayerischen Corona-Teststationen sind immer noch nicht alle positiv Getesteten gefunden: Zu 46 fehlte auch am Sonntag noch jede Spur. Bei 903 der insgesamt 949 nachgewiesenen Infektionen wurden die Betroffenen bis dahin ermittelt und – mit teils wochenlanger Verzögerung – informiert. Bei 46 sei dies bisher nicht gelungen, teilte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag mit.

          Die bayerische Staatsregierung bestätigte der F.A.Z., dass auch die Polizei für die Suche eingesetzt wird. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ darüber berichtet. Die Infizierten hätten demnach bei den Tests an der Grenze nur ihren Namen und ihr Geburtsdatum, aber keine Adresse angegeben. Wichtige Test-Formulare seien außerdem „teils nur mit Bleistift ausgefüllt“ worden und hätten später nicht mehr entziffert werden können.

          Die Gesundheitsministerin schrieb am Sonntag in ihrer Pressemitteilung, das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit habe „mit großartiger Unterstützung der Bayerischen Bereitschaftspolizei unter Hochdruck daran gearbeitet, die positiven Befunde den Getesteten zuzuordnen“.

          Mehrere Fristen verstrichen

          Allerdings hatte sie am vergangenen Mittwoch, kurz nach Bekanntwerden der Panne erklärt, die Betroffenen sollten bis Donnerstagmittag informiert werden. Danach verstrichen drei Tage und mehrere Fristen, bis zu der ihr Ressort die Öffentlichkeit informieren wollte.

          Am Mittwoch war bekannt geworden, dass 44.000 Reiserückkehrer teilweise nach mehr als einer Woche noch kein Ergebnis der bei ihnen bei der Wiedereinreise nach Deutschland vorgenommenen Tests erhalten hatten. Darunter waren zu diesem Zeitpunkt auch mehr als 900 Menschen mit positivem Corona-Befund. Daraufhin hatte die Landesregierung zunächst angekündigt, bis Donnerstagnachmittag sollten zumindest alle Positivbefunde übermittelt werden.

          Inzwischen wurde das Erfassungssystem umgestellt: Eine Frau scannt mit ihrem Smartphone an einem Corona-Testzentrum an der Rastanlage Inntal-Ost einen QR-Code, mit dessen Hilfe man sich für den Test anmelden kann.
          Inzwischen wurde das Erfassungssystem umgestellt: Eine Frau scannt mit ihrem Smartphone an einem Corona-Testzentrum an der Rastanlage Inntal-Ost einen QR-Code, mit dessen Hilfe man sich für den Test anmelden kann. : Bild: dpa

          Es geht bei den Verzögerungen offensichtlich vor allem um Tests, die an Autobahnen vorgenommen wurden. Hier wurden Daten der Reisenden zunächst händisch in Formulare eingetragen und mussten später erst aufwändig digitalisiert werden. Huml bot wegen der Panne ihren Rücktritt an, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach der Ministerin jedoch das Vertrauen aus. Söder machte aber auch deutlich, derartige Pannen dürfe es künftig nicht mehr geben.

          Rückkehrer von Auslandsreisen können sich freiwillig kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Für Rückkehrer aus Risikogebieten ist dies inzwischen vorgeschrieben. Bayern hatte besonders früh und intensiv mit dem Aufbau von Corona-Teststationen für Rückreisende begonnen, die Verantwortlichen wurden dann jedoch offensichtlich von der Menge der eingehenden Tests überrollt.

          Kritik kommt aus der bayerischen FDP

          Die oppositionelle FDP-Fraktion im bayerischen Landtag hat indes harsche Kritik an der Regierung von Markus Söder geübt. Die Staatsregierung habe sich heillos in ihrem Test-Chaos verheddert, sagte FDP-Fraktionschef Martin Hagen am Sonntag. „46 Infizierte stecken in Unkenntnis ihres positiven Testergebnisses möglicherweise weitere Menschen an“, betonte Hagen.

          Die FDP habe gemeinsam mit Grünen und SPD für Mittwoch eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag beantragt. „Wir erwarten, dass die Ministerin dann Rede und Antwort steht“, erklärte Hagen mit Blick auf Gesundheits-Ressortchefin Melanie Huml (CSU).

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