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Gefasster Jaber Albakr : Terrorverdächtiger von Chemnitz hatte Kontakte zum IS

  • Aktualisiert am

Jaber Albakr wurde am Montagmorgen in Leipzig gefasst Bild: dpa

Der in Leipzig festgenommene Syrer Jaber Albakr stand in Kontakt mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Ein Sprengstoffanschlag stand wohl unmittelbar bevor. Der Innenminister sieht daher eindeutige Parallelen zu anderen Attentaten.

          Der nach dem Bombenfund von Chemnitz festgenommene Terrorverdächtige Jaber Albakr hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler Kontakte zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Vorgehensweise und das Verhalten des Verdächtigen sprächen derzeit für einen „IS-Kontext“, sagte der Leiter des Landeskriminalamts Sachsen, Jörg Michaelis, am Montag in Dresden. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte, dass Albakr am Nachmittag einem Haftrichter in Dresden vorgeführt wurde. Er sprach von einem „großartigen Erfolg“. Die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern hätten „ganz konsequent und erfolgreich“ zusammengearbeitet.

          Der 22 Jahre alte Syrer wurde in der Nacht zum Montag in Leipzig gefasst – zwei Tage nach dem brisanten Bombenfund. Gegen ihn wird wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (Paragraf 89a StGB) ermittelt. Der als Flüchtling registrierte Mann hat nach bisherigen Ermittlungen einen Bombenanschlag vorbereitet. Bei einer Anti-Terror-Razzia hatte die Polizei am Samstag mehrere hundert Gramm hochexplosiven Sprengstoff sichergestellt. Albakr habe nach vorliegenden Erkenntnissen an einem „Sprengsatz möglicherweise in Form einer Sprengstoffweste“ gearbeitet.

          Sprengsatz „kurz vor der Fertigstellung“

          Die an das Landeskriminalamt in Dresden übermittelten Informationen besagten laut Michaelis, dass Albakr „aktuell ein Sprengstoffattentat vorbereitet“ habe. Demnach hatte er „im Internet Recherchen zur Herstellung von Sprengsätzen durchgeführt und sich entsprechenden Grundstoffe beschafft“. Michaelis: „Es musste davon ausgegangenen werden, dass der Sprengsatz möglicherweise in Form einer Sprengstoffweste kurz vor der Fertigstellung steht oder bereits einsatzbereit ist“, sagte Michaelis.

          Die Polizei fasste den Syrer in einer Wohnung in Leipzig, wo zwei Landsleute ihn festhielten, wie sie auf Facebook mitteilte. Er hatte am Leipziger Hauptbahnhof einen Landsmann angesprochen und gefragt, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer lud ihn demnach zu sich ein und informierte die Polizei. Auf Facebook teilte die Polizei mit, dass der Verdächtige „sicher identifiziert“ sei. Die bundesweite und internationale Fahndung wurde aufgehoben. Über das Wochenende waren die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen verschärft worden. Am Samstag war der Mann noch dem Zugriff in Chemnitz entkommen. Die Beamten gaben in dem Plattenbau-Viertel einen Warnschuss ab und sahen ihn auch, konnten ihn aber nicht fassen. Das Landeskriminalamt wies Vorwürfe zurück, es sei eine Panne passiert.

          Unterdessen dauert die Spurensicherung in der Wohnung des mutmaßlichen Komplizen von Albakr im Chemnitzer Fritz-Heckert-Viertel an. „Ein Ende ist nicht in Sicht“, teilte die Polizei in Dresden mit. Wann die rund 20 Bewohner zurück dürfen, ist unklar. In einer der Wohnungen waren bei einem Anti-Terror-Einsatz am Samstag erhebliche Mengen gefährlichen Sprengstoffs sichergestellt worden. Dort soll sich der Terrorverdächtige al-Bakr aufgehalten und einen Bombenanschlag vorbereitet haben. Als das SEK die Wohnung stürmte, war sie leer. Der Mieter, ein 33 Jahre alter Syrer, befindet sich seit Sonntagabend in Untersuchungshaft - wegen Beihilfe. Er ist ebenfalls Flüchtling und war Mitte Juli aus Nordrhein-Westfalen nach Chemnitz gezogen, wie Michaelis sagte.

          Die CSU bekräftigte die Forderung nach einer lückenlosen Überprüfung aller Flüchtlinge. Auch all diejenigen, die bereits im Land seien, müssten „auch unter Beiziehung unserer Nachrichtendienste“ überprüft werden, sagte CSU-Chef Horst Seehofer vor einer CSU-Vorstandssitzung in München. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erstattet künftig bei jedem gefälschten Pass, den Asylbewerber vorlegen, Anzeige bei der Polizei. Dies teilte die Behörde in Nürnberg mit. Bislang wurden lediglich die jeweils zuständigen Ausländerbehörden in den Ländern informiert.

          Derweil sieht Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Chemnitzer Fall Parallelen zu den Anschlägen von Frankreich und Belgien. „Die Vorbereitungen in Chemnitz ähneln nach allem, was wir heute wissen, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Brüssel und Paris.“ Deutschland stehe unverändert im Zielspektrum des internationalen Terrorismus, sagte der Innenminister. „Die Ermittlungen zeigen, dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte darüber hinaus dem mutig helfenden Syrer für den entscheidenden Hinweis an die Polizei. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, Merkel danke den Sicherheitsbehörden für ihre Arbeit.

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