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Terrorprozess : Norddeutsche Al-Qaida-Connection?

Aufnahme einer Überwachungskamera am Kölner Hauptbahnhof Bild: picture-alliance/ dpa

In Schleswig hat der Prozess gegen Redouane E.H. begonnen. Er soll Al Qaida unterstützt und eine terroristische Vereinigung gegründet haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er Kontakte zu den „Kofferbombern“ von Nordrhein-Westfalen hatte.

          6 Min.

          In Schleswig hat am Mittwoch der Prozess gegen den 37 Jahre alten Redouane E.H. begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, Al Qaida und „Al Qaida im Zweistromland“ unterstützt und eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben. Redouane E.H. soll Verbindungen zu der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta und die Attentäter des 11. September 2001 unterhalten haben. Auch zu den beiden „Kofferbombern“, denen vorgeworfen wird, im vergangenen Jahr in Nahverkehrszügen in Nordrhein-Westfalen zwei Sprengsätze deponiert zu haben, soll er Kontakt gehabt haben. Der Angeklagte lebte in Kiel, wo Mohammed Atta ein Semester lang studiert haben soll.

          Philip Eppelsheim
          (phil.), Politik

          Auch der Libanese Youssef Mohammed al Hadschdib wohnte dort; gegen ihn hat die Bundesanwaltschaft vor kurzem wegen der versuchten Kofferbombenanschläge Anklage erhoben. Hadschdib hat zudem gemeinsam mit Redouane E.H. in der Omar-al-Khattab-Moschee an der Kieler Diedrichstraße gebetet. Auch bestehen Verbindungen zur Al-Quds-Moschee in Hamburg. Trotz allem hat der schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Stegner jüngst mitgeteilt, dass es keine Anhaltspunkte für „islamistischterroristische Strukturen“ in Schleswig-Holstein gebe. Handelt es sich also nur um zufällige Übereinstimmungen?

          Front gegen die „Kreuzritter“

          In Kiel-Gaarden hatte der Deutschmarokkaner Redouane E.H. ein Telefongeschäft eröffnet. Es lag in einer ruhigen Seitenstraße eines Problemviertels mit mehr als 30 Prozent Arbeitslosen. In dem unscheinbaren Laden an der Iltisstraße, in Nachbarschaft von Hausbesetzern und einer arabischen Schlachterei, soll Redouane E.H. Geld nach Ägypten und Syrien transferiert haben, um Ausrüstung für „Gotteskrieger“ zu beschaffen, die Teilnahme an einer Sprengstoffausbildung zu finanzieren und einen Schleuser zu entlohnen.

          Zudem soll er im August 2005 über das Internet einen Treueeid auf Mullah Omar, den Führer der Taliban in Afghanistan, geleistet haben und „Al Qaida im Zweistromland“ durch Vermittlung von Dschihad-Kämpfern aus Marokko und Ägypten unterstützt haben, indem er Geld für Transfers zur Verfügung stellte und logistische Hilfe bei Schleusungen leistete. Darüber hinaus wirft die Bundesanwaltschaft ihm vor, zusammen mit vier weiteren Personen eine terroristische Vereinigung im Ausland gegründet zu haben mit dem Ziel, in Sudan eine Front gegen die „Kreuzritter“ aufzubauen und den „heiligen Krieg“ zu beginnen.

          Kurz nach der Gründung dieser Vereinigung wurde der Deutschmarokkaner im Juli 2006 im Hamburger Dammtor-Bahnhof festgenommen. Die Bundesanwaltschaft nimmt an, dass er auf dem Weg nach Sudan war, um seine Pläne in die Tat umzusetzen.

          Türsteher und Telefonladeninhaber

          Redouane E.H. galt als Einzelgänger. Zwischen 1996 und 2004 studierte der gelernte Industriekaufmann an der Kieler Christian-Albrechts-Universität Psychologie, Philosophie und Soziologie. In dieser Zeit war er ein Jahr lang Referent für ausländische Studenten: Er suchte für sie Wohnungen und half ihnen, sich in Kiel einzuleben. 2004 wurde er exmatrikuliert. Danach arbeitete er als Türsteher und eröffnete schließlich zusammen mit einem seiner wenigen Freunde den Telefonladen.

          Regelmäßig ging Redouane E.H. in die Omar-Moschee an der Diedrichstraße. Sie liegt gegenüber einer Autowaschanlage an einer Bundesstraße. Dort beten jeden Freitag bis zu 300 Männer, spielen anschließend Tischfußball, kaufen Lebensmittel oder essen gemeinsam. In kleinen Nebenzimmern lernen Kinder die arabische Sprache, und Deutsche werden mit dem Islam vertraut gemacht.

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