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Terrorismus : Die Angst vor Islamisten

Nur weil sich nun Hooligans und Rechtsradikale gegen Salafisten organisiert haben, darf nicht jede Kritik am Islam als islamophob zurückgewiesen werden.

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          Die „Hooligans gegen Salafisten“ haben wieder demonstriert. Drei Wochen nach den Krawallen mit fast fünfzig verletzten Polizisten in Köln waren die Hooligans dieses Mal in Hannover. Das Motto der Demonstration lautete „Europa gegen den Terror des Islamismus”. Es kamen weniger als in Köln, aber immerhin noch rund dreitausend. Die befürchtete Randale blieb aus.

          Die Hooligans behaupten, ein „kompletter Querschnitt der Gesellschaft“ zu sein und für Europa zu stehen. Das ist natürlich Quatsch. Es handelt sich um einen Zusammenschluss von Schlägern und Rechtsextremen. Dennoch steht das Hooligan-Netzwerk für eine weitverbreitete Angst: die Angst vor Salafisten, vor islamischen Terroristen, vor Anschlägen. Je nachdem, welcher Umfrage man glaubt, haben zwischen einem Viertel und der Hälfte der Deutschen diese Ängste. Mehr noch, sie fühlen sich vom Islam bedroht.

          Das hat viele Gründe. 2011 beispielsweise erschoss ein Salafist am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. Bei Auseinandersetzungen in Bonn stach ein Salafist auf zwei Polizisten ein. Und ein anderer Salafist soll geplant haben, eine Bombe im Bonner Hauptbahnhof zu zünden. Das Ziel: möglichst viele Menschen töten. In den vergangenen Monaten sind zudem immer mehr junge Männer, die in Deutschland aufgewachsen sind, als islamische Terroristen in den Krieg nach Syrien oder in den Irak gezogen.

          Was „Dschihad-Rückkehrer“ anrichten können, hat ein Attentäter in Brüssel gezeigt. Er ermordete vier Menschen im Jüdischen Museum. Wozu radikalisierte Männer fähig sind, die gar nicht erst ausreisen dürfen, machten zwei Attentate in Kanada deutlich. Alle Attentäter wie auch die Horden des „Islamischen Staats“ beriefen sich bei ihren Untaten auf den Islam.

          Nikolaus Schneider, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, sagte vor kurzem, dass im Islam die rasche Verbreitung mit Feuer und Schwert von Anfang an mit Kriegen zusammenhing. Das habe offensichtlich Ansatzpunkte im Koran. Schneider forderte: „Darüber haben wir zu debattieren.“ Diese Forderung ist richtig. Falsch ist es, wenn nun, nur weil sich Hooligans und Rechtsextreme gegen Salafisten organisiert haben, jede Kritik, alle Ängste und Bedenken im Zusammenhang mit dem Islam als islamophob beiseite gewischt werden.

          Philip Eppelsheim
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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