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Terrorbekämpfung : Wie'n zweiter 11. September

Festnahme am 12. Oktober: Die Terrorverdächtigen wurden in Karlsruhe dem Bundesrichter vorgeführt und sind seitdem in Haft Bild:

Vor einem Jahr, am 12. Oktober 2007, wollte die islamistische „Sauerland-Gruppe“ zuschlagen. Wie es gelang, die Katastrophe zu verhindern, ist ein Lehrbeispiel aus der Terrorbekämpfung. Mit allen Stärken und Schwächen.

          7 Min.

          Zweihundert Kilogramm mit Splittern, inschallah, das macht ’nen Riesenbums“, sagt der eine. Und sein Mitfahrer stimmt ihm freudig zu: „Ja, inschallah, das wäre wie ’n zweiter 11. September.“ Die amerikanische Airbase Ramstein könnte ein Ziel sein oder eine Diskothek, die von amerikanischen Soldaten besucht wird. Aber auch die Deutschen „sollten eins in die Fresse kriegen“, weil sie in Afghanistan dabei sind.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Es ist Anfang September 2007. In vier Wochen soll der Bundestag über das Isaf-Mandat der Bundeswehr entscheiden, und eine Gruppe junger Islamisten – zwei deutsche Konvertiten und hier aufgewachsene Türken – will mit mindestens drei gleichzeitig ausgeführten Bombenanschlägen Dschihad-Geschichte schreiben.

          „Das wird supergeil“

          Die beiden jungen Männer, die so reden und planen, sind unterwegs in einem Mietwagen und halten sich für Herren über Leben und Tod. Das deutsche Scheidungskind Fritz Gelowicz, achtundzwanzig Jahre alt, und sein sieben Jahre jüngerer Freund Daniel Schneider aus Neunkirchen fühlen sich als „Gotteskrieger“. „Bis jetzt hat Gott alles perfekt gemacht, fast alles perfekt. Wir haben richtig Power“, glaubt Fritz, der am Morgen in Dortmund allerlei Zubehör für den Bombenbau gekauft hat – Platinen, Schalter, Kabel, 33,5 Kilo Mehl, Edelstahl-Kochtöpfe.

          Ein Fahndungsplakat des BKA am Flughafen Köln/Bonn: Gesucht wird Eric Breininger, der Kontakte im Umfeld der „Sauerland-Gruppe” gehabt hatte
          Ein Fahndungsplakat des BKA am Flughafen Köln/Bonn: Gesucht wird Eric Breininger, der Kontakte im Umfeld der „Sauerland-Gruppe” gehabt hatte : Bild: ddp

          Während sie über die Sauerländer Landstraßen kurven, malen sie sich aus, wie das Land auf ihre Donnerschläge reagieren wird: „Wenn der Schäuble vor die Presse tritt, hey, das wird supergeil“, sagt einer von ihnen. „Vor ganz Deutschland muss er Stellung nehmen, so zwei, drei Stunden später.“

          Bauanleitung für effizientes Töten per E-Mail

          Dass man sie noch stoppen könnte, halten Gelowicz, Schneider und ein Dritter im Bunde, Adem Yilmaz, inzwischen für ausgeschlossen. 720 Liter Wasserstoffperoxid-Lösung in zwölf 60-Liter-Kanistern hat Gelowicz besorgt und in einer gemieteten Garage im Schwarzwald versteckt. Ein vierter Komplize hat – so die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklageschrift – sechsundzwanzig militärische Zünder beschafft und über die Türkei nach Deutschland schmuggeln lassen.

          Gelowicz erhielt von der Islamischen Dschihad Union (IJU) in Pakistan und Usbekistan per Mail eine Bauanleitung, wie man damit möglichst viele Menschen tötet. Denn das ist ihr Ziel. „Der Schäuble“, sagt er, „der lässt uns hier machen. Der Rollstuhl-Eierkopf, der.“ Schneider entgegnet: „Der Schäuble hasst uns. Und ich hasse ihn.“

          Lange Vorbereitung

          Hass gibt Kraft. Seit vielen Monaten arbeiten Gelowicz und seine mutmaßlichen Komplizen fieberhaft an den Vorbereitungen für ihren ganz großen Anschlag. In einem Ferienhaus in Medebach-Oberschledorn, das sie unter falschem Namen für 280 Euro pro Woche von einem Mitarbeiter der Dortmunder Uni gemietet haben, wollen sie heute und morgen die erste Bombe herstellen.

          Im halben Orient – Syrien, Pakistan, Saudi-Arabien und Afghanistan – haben sie in den zwei Jahren zuvor Arabisch gelernt und den Koran studiert, haben in Terrorlagern die Kalaschnikow geschultert und sich im Bau von Sprengsätzen unterweisen lassen. 2005 ist Fritz Gelowicz, der in Neu-Ulm in einer Sackgasse wohnt, nach Mekka gepilgert.

          Der blinde Hass wurde zum Verhängnis

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