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Jahrestag des Berlin-Attentats : „Dieses Leiden wird nicht gutzumachen sein“

  • Aktualisiert am

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin Bild: BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ein Jahr nach dem Attentat vom Berliner Breitscheidplatz trifft Angela Merkel die Hinterbliebenen der Opfer. Zu spät, sagen Kritiker. Jetzt hat die Kanzlerin reagiert – und für die Zukunft Verbesserungen versprochen.

          Ein Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Ein Jahr nach dem Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz mit zwölf Toten und Dutzenden Verletzten wollte Kanzlerin Angela Merkel am Montagnachmittag Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl ausdrücken. Das Treffen sei ihr „sehr wichtig“, sagte Merkel am Montag in Berlin. Sie wisse, dass sich einige ein solches Treffen früher gewünscht hätten.

          „Mir ist wichtig, dass ich heute noch einmal deutlich mache, wie sehr wir mit den Angehörigen, mit den Verletzten fühlen“, sagte die Kanzlerin vor dem Treffen und sicherte auch eine bessere Unterstützung der Opfer zu. Der Opfer-Beauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck, habe eine ganze Reihe von Dingen deutlich gemacht, die bislang unzureichend seien.

          Sie wolle den Betroffenen versichern, dass die Lage von Opfern „mit aller Kraft“ verbessert werden solle, sagte die Kanzlerin. Das gelte auch für alle Fragen um den Attentäter Anis Amri. „Eins ist auch klar und mir auch bewusst: Dieses Leiden, diese völlige Veränderung des eigenen Lebens wird nicht gutzumachen sein“, sagte Merkel weiter.

          In den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Kritik an Merkel und ihrem Umgang mit den Betroffenen des Anschlags gegeben. In einem offenen Brief hatten Hinterbliebene Merkel politisches Versagen vorgeworfen und kritisiert, dass sie nicht persönlich kondoliert habe. Nach dem Anschlag vom 19. Dezember vorigen Jahres besuchte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck die Betroffenen, nicht aber Merkel.

          Der von der Regierung als Opferbeauftragter eingesetzte SPD-Politiker Kurt Beck hatte vergangene Woche die Einrichtung spezieller Anlaufstellen schon am Tatort und eine „deutliche Anhebung“ finanzieller Härtefallleistungen für bedürftige Hinterbliebene angemahnt.

          Einladung lange vor offenem Brief

          Bei der Begegnung mit Merkel sollten diese daher auch die Gelegenheit haben, „Kritisches zu äußern“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ziel sei, einander zuzuhören, „damit man gemeinsam möglicherweise Lehren ziehen kann“. Die Einladung sei aber lange vor der in dem offenen Brief vorgetragenen Kritik erfolgt.

          Am Montag meldeten sich noch einmal die Eltern des von dem Breitscheidplatz-Attentäter getöteten polnischen Lkw-Fahrers Lukasz Urban zu Wort und warfen der Bundesregierung mangelnde Anteilnahme vor. Ihre Familie hätte sich ein „persönliches Kondolenzschreiben“ oder ein ähnliches Signal gewünscht, sagte Janina Urban, die Mutter des getöteten Fahrers, der „Deutschen Welle“. Sein Vater Henryk Urban nannte die deutschen Behörden „respektlos“. Lukasz Urban war das erste Opfer Amris gewesen.

          Am Montag wurden in Berlin letzte Vorbereitungen für das Gedenken am ersten Jahrestag des Anschlags getroffen. An der Gedächtniskirche, wo der islamistische Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Laster in den Weihnachtsmarkt fuhr, wurden Sicherheitsgitter aufgestellt und Betonpoller kontrolliert. Polizisten liefen Streife.

          „Tag der Stille, Ruhe und der Einkehr“

          Am Dienstag werden sich Angehörige der Todesopfer und Verletzte an dem Anschlagsort versammeln. Das Gedenken wird zunächst nicht öffentlich sein. Die Angehörigen sollen den Tag abgeschirmt und in Ruhe begehen können. Auf den Stufen vor der Kirche sollen künftig ein goldener Riss und die eingravierten Namen der Toten eine öffentliche Erinnerung sein. Das Mahnmal wird am Mittag (12.00 Uhr) übergeben.

          Blumen und Kerzen am Berliner Breitscheidplatz erinnern an den Terroranschlag vom 19. Dezember 2016.

          Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), weitere Minister, Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) sowie die Senatoren seiner rot-rot-grünen Regierung werden kommen. Auf dem Programm steht auch eine interreligiöse Andacht in der Gedächtniskirche (11.15 Uhr). Dort wird Steinmeier sprechen. Auch dieser Termin ist nicht öffentlich.

          Der komplette Breitscheidplatz und mehrere angrenzende Straßen werden bis zum Abend des Jahrestages abgesperrt sein. Die Organisatoren gehen davon aus, dass mehrere hundert Menschen an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen werden. Rund um die Gedächtniskirche und den Kurfürstendamm wird mit starken Verkehrsbehinderungen gerechnet.

          Müller hatte einen „Tag der Stille, Ruhe und der Einkehr“ und ein würdiges Gedenken angekündigt. Der Anschlag habe sich „in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt“, betonte er. Der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche bleibt am Dienstag geschlossen. Schausteller des Marktes am Roten Rathaus haben zu zwei Gedenkminuten ab 20.00 Uhr aufgerufen.

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