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„Terre des Femmes“ : Frauenrechtler fordern Studie über Zwangsheirat

  • -Aktualisiert am

Zum Thema Zwangsheirat legen Frauenrechtler mehrere Forderungen vor Bild: dpa

Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ fordert eine neue Studie über Zwangsverheiratungen und größeren Schutz für betroffene Frauen. Die Integrationsbeauftragte Özoguz will das prüfen lassen.

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          Die Organisation „Terre des Femmes“, die sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzt, fordert die Bundesregierung auf, eine umfassende Studie über Zwangsverheiratungen vorzulegen. Darin sollten sowohl die Zahl solcher Fälle beleuchtet als auch Präventionsmöglichkeiten beschrieben werden. In einer Studie, die das Bundesfamilienministerium 2011 vorlegte, waren Beratungsstellen befragt worden: 3443 Personen hatten im Laufe eines Jahres dort Hilfe wegen einer angedrohten (60 Prozent) oder bereits vollzogenen (40 Prozent) Zwangsheirat gesucht. Allerdings hat die Studie Mängel: Die Daten stammten aus dem Jahr 2008; Betroffene, die sich nicht an eine Beratungsstelle wandten, wurden nicht erfasst.

          „Terre des Femmes“ möchte außerdem erreichen, dass Einwohnermeldeämter Auskunftssperren in Gefahrsituationen unbefristet gewähren. Frauen, die vor einer Zwangsehe geflohen sind, beantragen in der Regel eine Sperre, damit ihre Familie sie am neuen Wohnort nicht ausfindig machen kann. In den meisten Kommunen gilt die Auskunftssperre für zwei Jahre. Die Frauen sind laut „Terre des Femmes“ aber noch Jahre später in Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden. Dass es seit Anfang 2009 wieder erlaubt ist, eine religiöse Trauung ohne standesamtliche Trauung vorzunehmen, hält „Terre des Femmes“ für falsch. Die Regelung begünstige Zwangs- und Mehrfachehen sowie Voraustrauungen von Minderjährigen durch Imame.

          Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Safter Cinar, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zwar sei jede Zwangsheirat eine zu viel und müsse als Verbrechen behandelt werden, aber bislang gebe es keine „belastbaren Zahlen“, die öffentliche Kampagnen oder Eingriffe in die Familienzusammenführung, etwa durch Sprachtests, rechtfertigten. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), teilte der F.A.Z. mit, es müsse geprüft werden, ob es tatsächlich einen Bedarf für eine Studie wie die von 2011 gebe. Dafür sei sie mit dem Bundesfamilienministerium „im Kontakt“. Aus fachpolitischen oder wissenschaftlichen Kreisen sei ihrem Arbeitsstab bisher aber „kein erneuter Bedarf“ erklärt worden.

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