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Vor Lockdown-Verlängerung : Corona-Tanz um den goldenen Braten

In Schottland setzt der Weihnachtsmann einen Stern auf die Spitze des Weihnachtsbaums des Blair Drummond Safari Parks in Stirling. Bild: dpa

Darf der Staat über Weihnachten verfügen? Um Gottesdienste geht es dabei selten, vielmehr um den goldenen Braten. Dennoch: Die Zeit der Trostlosigkeit muss unterbrochen werden.

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          Selbst Schweden wird zum Land des Lockdowns, der vom Teil-Lockdown seiner Nachbarn nicht weit entfernt ist. Der Staatsepidemiologe Anders Tegnell, noch viel mehr aber dessen Anhänger lebten in der Illusion, es gebe in der Pandemie eine Insel der Idylle. Die „zweite Welle“, die Tegnell noch vor wenigen Wochen nicht wahrhaben wollte, die aber hartnäckiger und unberechenbarer ist als die erste, scheint nur durch eine Impfwelle gebrochen zu werden. Die Aussicht darauf dämpft die Anflüge von Ermüdung und Depression, mindert aber nicht den Druck auf die Politik, ihre Lockdown-Philosophie immer wieder neu zu rechtfertigen.

          Dass die Ungeduld wächst, sieht man daran, dass selbst ein Kandidat für den CDU-Vorsitz den Staat zurechtweist, es gehe ihn nichts an, wie die Familien ihre Weihnachten feierten. Es wäre schön gewesen, wenn ein Christdemokrat dabei an die Gottesdienste gedacht hätte.

          Aber Weihnachten steht derzeit durchweg für die Zahl der Personen, die um den goldenen Braten sitzen. Die schreibt der Staat aber längst auch für Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und jedes Abendessen vor. Insofern wurde der Giftpfeil in Richtung böser Staat wohl nur abgeschossen, um mit langem weißen Bart auf Merkels Schreibtisch zu landen.

          An Weihnachten sollte dieser Staat allerdings tatsächlich Möglichkeiten für Alters- und Pflegeheime schaffen, die eine Zeit der Einsamkeit und der Trostlosigkeit unterbrechen. Sie hat dort schon viel zu lange gedauert.

          Städte und Landkreise, in denen das Corona-Geschehen entspannter ist, wie in den drei nördlichen Bundesländern, werden dafür mehr Spielraum haben als der Rest der Republik. Der Dauerstreit geht deshalb weiter, wie regional unterschiedliche Lockdown-Härten zuzulassen sind.

          Brennpunkt dieser Auseinandersetzung bleiben die Schulen. Kein Land wird wohl generell Hybridunterricht oder gar geteilte Klassen vorschreiben. Bei anhaltend hohen Infektionszahlen werden sie sich örtlich aber nicht vermeiden lassen. Sonst ist am Ende die ganze große Freiheit dieses Teil-Lockdowns gefährdet, die Schulen offen zu halten. Denn für sie gilt, was auch für Weihnachten gilt: Es gibt Wichtigeres als Braten und Coronavirus.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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