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Tebartz-van Elst und das Bischofsamt : Im Vatikan bahnt sich ein Showdown an

Der Dom zu Limburg und das Bischöfliche Haus: Bischof Tebartz-van Elst hat sich für 31 Millionen Euro verwirklicht, die Aufseher des Bistums erfuhren erst Anfang Oktober von der Riesensumme Bild: Reinhard Langschied

Limburgs Bischof will nach Rom reisen. Dort trifft er auf den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch. Im Vatikan wird er erklären müssen, warum unter seiner Verantwortung Baukosten jahrelang verschleiert worden sind.

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          Im Vatikan bahnt sich ein Showdown zwischen dem Bischof von Limburg Franz-Peter Tebartz-van Elst und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch an. Tebartz-van Elst will nach Angaben seines Sprechers „im Lauf der nächsten Woche“ nach Rom reisen. Zu dieser Zeit hält sich auch Zollitsch im Vatikan auf, wo er den Papst über die Zustände im Bistum Limburg unterrichten will. Zollitsch hält Tebartz-van Elst nicht mehr für tragbar, seit bekannt wurde, dass die Baukosten für dessen Bischöfliches Haus um ein Vielfaches höher waren als behauptet und die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen den Bischof wegen zweier falscher eidesstattlicher Versicherungen beantragt hat.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Volker Zastrow

          Correspondent at large.

          Ursprünglich hatte Tebartz-van Elst schon am Samstagnachmittag nach Rom fliegen wollen. Auf seinen Namen war nach F.A.S.-Informationen ein Lufthansa-Ticket in der Economy Class geordert und bezahlt worden. Jedoch trat der Bischof den Flug nicht an, über den die F.A.S. vorab berichtet hatte.

          Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

          Während in Deutschland Austritte aus der katholischen Kirche in dieser Woche sprunghaft zunahmen, verfügt Tebartz-van Elst im Vatikan immer noch über einflussreiche Unterstützer. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, nannte die Vorwürfe gegen den Limburger Bischof am Freitagabend eine „Erfindung von Journalisten“ und sprach von einer „Medienkampagne“. Während einer Messe in der Kirche des römischen Campo Santo Teutonico über das Evangelium und die Dämonen sagte Müller weiter, nicht der Bischof trage die Verantwortung für die auf 31 Millionen Euro gestiegenen Baukosten, sondern dessen Mitarbeiter trügen sie. Auch der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, wird zu den Unterstützern des Limburger Bischofs gezählt. Er versuchte, vor der Bischofskonferenz Ende September entsprechend Einfluss zu nehmen.

          Unter den deutschen Bischöfen verlor Tebartz-van Elst seinen wichtigsten Unterstützer, den Kölner Kardinal Joachim Meisner. Für Meisner sei nach dem beantragten Strafbefehl und den exorbitant gestiegenen Baukosten eine „neue Lage“ eingetreten, erfuhr die F.A.S. aus dem Umfeld des Kardinals. Meisner sehe nicht nur das Bischofsamt, sondern die gesamte Kirche durch den Fall beschädigt. Gegenüber der F.A.S. war das Bistum zu keiner öffentlichen Stellungnahme bereit, verwies aber auf die Äußerungen des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Zollitsch hatte sich am Donnerstag deutlich von Tebartz-van Elst distanziert. Später teilte Meisners Sprecher mit: „Der Kardinal beobachtet weiterhin die Vorgänge sehr aufmerksam, und das lässt ihn auch nicht unberührt.“ Und weiter: „Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie die F.A.S. zu ihren Schlüssen kommt.“

          Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch

          Nach F.A.S.-Informationen hatte Meisner in den vergangenen Tagen direkt mit Tebartz-van Elst gesprochen; über Inhalt und Verlauf der Gespräche wurde nichts bekannt. Aus der Erzdiözese Köln hieß es aber, Meisner nehme seine Verantwortung als Metropolit der Kölner Kirchenprovinz wahr, zu der das Bistum Limburg gehört. Ihm kommt von daher eine Aufsichts- und Kontrollfunktion zu, jedoch verfügt er nicht über disziplinarische Durchgriffsrechte.

          Meisner hatte den Limburger Bischof noch Mitte September öffentlich verteidigt. In einem Radiointerview beklagte er seinerzeit, die Medien hätten sich „gegen ihn (den Bischof von Limburg) verschworen“. Meisner zieh den Münchner Kardinal Marx der „Ahnungslosigkeit“, nachdem dieser sich kritisch zu den Limburger Verhältnissen geäußert hatte. Inzwischen verfüge Meisner über ein „differenzierteres Bild der Situation in Limburg“, hieß es in seiner Umgebung.

          Kölns Kardinal Joachim Meisner

          Zollitsch hält ungeachtet der neueren Entwicklungen an seinem Besuchsprogramm fest, das am Montag beginnt. Der Erzbischof wolle sich nicht unter Druck setzen lassen, erfuhr die F.A.S. aus Kirchenkreisen. Papst Franziskus ist grob über die Vorgänge in Limburg informiert; er hatte Anfang September einen Kardinal dorthin entsandt. Die Entwicklungen der vergangenen Tage sollen dem Papst jedoch offiziell bisher nicht vorgetragen worden sein.

          Baukosten jahrelang verschleiert

          Recherchen der F.A.S. belegen, dass unter der Verantwortung von Tebartz-van Elst im Bistum Limburg jahrelang systematisch die Baukosten für das Bischöfliche Haus auf dem Domberg verschleiert wurden, um sowohl die Aufsicht des Vatikans als auch des Vermögensverwaltungsrats des Bistums zu unterlaufen. So wurde dem neugegründeten Vermögensverwaltungsrat im Sommer 2011 ein Kostenvolumen in Höhe von 17 Millionen Euro für Um- und Neubauten auf dem Limburger Domberg vorgelegt. Die Summe war in zehn Einzelprojekte gestückelt. Sie lagen allesamt unter der Grenze von fünf Millionen Euro, von der an Bauvorhaben dem Vatikan angezeigt werden müssen.

          Im Juli 2012 genehmigte der Vermögensverwaltungsrat eine Zwischenfinanzierung von 15,7 Millionen Euro. Das Geld wurde bei der Deutschen Bank geliehen. Damals kam es erstmals zum Konflikt zwischen dem Bischof und dem Rat. Tebartz-van Elst verlangte, die Kosten dürften nie öffentlich werden. Da die Buchführung an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ausgelagert worden war, bekamen nur der Dombaumeister und der Architekt Rechnungen und Belege zu sehen.

          Der Vermögensverwaltungsrat erhielt erst Anfang Oktober dieses Jahres Einblick in die tatsächlichen Kosten, nachdem der Bischof auf Druck des Vatikans Mitte September einer Offenlegung der Baukosten zugestimmt hatte. Mittlerweile beliefen sich die Ausgaben auf 31,4 Millionen Euro. Das entspricht etwa einem Drittel des Vermögens des Bischöflichen Stuhls. Aus Unterlagen, die der F.A.S. vorliegen, geht hervor, dass ein erheblicher Teil der Mehrkosten auf ständige Umplanungen und Änderungen während der Bauphase zurückgeht. So wurden seit 2011 mehrfach Raumpläne und Bodenbeläge umgeplant, Beleuchtungen, Elektroanschlüsse und die Entwässerung geändert.

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