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Pegida in Dresden : Anhänger tragen Galgen „für Merkel und Gabriel“ durch die Stadt

  • Aktualisiert am

Mehr als 9000 Menschen zogen am Montagabend durch Berlin. Bild: Reuters

Mit zunehmend radikalen Parolen gegen die Flüchtlingspolitik demonstrieren abermals Tausende auf einer Pegida-Kundgebung in Dresden. „Berliner Diktatoren“ war nicht die einzige Art der Verunglimpfung.

          Das islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bündnis hat in Dresden zum wiederholten Male Tausende auf die Straße gebracht. Eine Woche vor der Kundgebung zum ersten Jahrestag der Entstehung versammelten sich am Montagabend nach Schätzungen der Gruppe „Durchgezählt“ bis zu 9.000 Menschen auf dem Theaterplatz vor der Semperoper. Erstmals seit längerem regte sich auch in Dresden wieder nennenswerter Gegenprotest. Etwa 250 Demonstranten stellten sich den Pegida-Anhängern entgegen. In Leipzig und Chemnitz gingen ebenfalls Anhänger der örtlichen Pegida-Ableger auf die Straße, mit jeweils nur einigen Hundert Teilnehmern aber deutlich weniger.

          In Dresden hielt die Polizei die Lager auf Distanz, als der Pegida-Zug nur wenige Meter von etwa 250 Gegendemonstranten vorbeizog. Beide Seiten beschimpften sich. Pegida-Gegner protestierten mit Pfiffen und Trillerpfeifen gegen Fremdenhass und für Weltoffenheit.

          „Deutschland unattraktiver für Asylsuchende machen“

          Der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann wies in seiner Rede auf den bevorstehenden Jahrestag hin, die Bundesregierung bezeichnete er als „unsere Berliner Diktatoren“ und kritisierte deren Flüchtlingspolitik. Hier sei eine „Kehrtwende dringend erforderlich“. Es müsse „unattraktiver werden, in Deutschland Asyl zu beantragen“.

          Die Teilnehmer der Kundgebung riefen in Sprechchören „Abschieben, abschieben“, „Wir sind das Volk“ und „Merkel muss weg“. Ein Plakat mit Merkel als Mutter Teresa war überschrieben mit „Mutter Terrorresia“, andere Schilder wandten sich gegen „Deutschenhasser“, „Asylmafia“ oder „Politikerpack“.

          Einen Auftritt gab es auch für die ehemalige Hamburger Politikerin der Partei Alternative für Deutschland, Tatjana Festerling. Sie warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, aus Deutschland ein „riesiges Dschungelcamp“ gemacht zu haben. Den Zuzug von Flüchtlingen und Asylsuchenden bezeichnete sie als „Ansturm der Invasoren“. Bei der Dresdner Oberbürgermeisterwahl hatte Festerling Anfang Juni fast zehn Prozent der Stimmen bekommen. Im zweiten Wahlgang trat sie nicht mehr an.

          Ein Galgen für Merkel und Gabriel

          Die Polizei berichtete zunächst von keinen größeren Zwischenfällen. Ob ein Galgen, der von einem Pegida-Anhänger getragen wurde und laut Pappschildern für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihren Vize und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) reserviert war, strafrechtlich relevant sei, müsse die Staatsanwaltschaft am Dienstag prüfen, sagte ein Polizeisprecher. Ein weiterer Demonstrant, der mit einem Polizeibeamten aneinandergeraten war, wurde wegen Widerstands angezeigt. Ein Journalist wurde nach eigenen Angaben aus dem Demonstrationszug heraus bespuckt.

          Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) verzeichnen vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise seit Wochen wieder Zulauf. Während die Zahl der Demonstrationsteilnehmer in Dresden wieder stieg, waren in Leipzig jedoch deutlich weniger Menschen dem Aufruf der Legida gefolgt als vor einer Woche. Laut Polizei kamen etwa 400 bis 500 Menschen. Am vergangenen Montag waren es 600 bis 800 gewesen. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht.

          Zu einer Kundgebung der Cegida kamen in Chemnitz etwa 400 Menschen. An einer Gegendemonstration beteiligten sich etwa 200 Menschen. Auch dort blieb es laut Polizei ruhig.

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