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Syrien-Krieg : Immer mehr deutsche Frauen im Dschihad

187 Sturmgewehr-Magazine übersehen: Der Flughafen Köln/Bonn Bild: dpa

Im November und Dezember 2013 ist die Mutter zweier Dschihadisten mit einmal 50 und dann 187 AK47-Magazinen ungehindert durch die Flughafenkontrolle in Köln/Bonn gelangt. Ihre Schwiegertochter ist eine 16 Jahre alte deutsche Gymnasiastin, die in den syrischen Dschihad zog.

          Sie war eine gute Schülerin auf einem beliebten Gymnasium in Konstanz. Doch im vergangenen Herbst kam Sarah O., damals 15 Jahre alt, nach den Ferien nicht mehr zurück in ihre Schule. Sie war nach Syrien ausgereist, in den Dschihad, den Heiligen Krieg. Sarah landete in einem Lager der Dschihad-Krieger nahe der zerstörten Stadt Aleppo. Dort lernt sie auch schießen. „Nach unseren Erkenntnissen wird die junge Frau aus Konstanz in Syrien an der Waffe ausgebildet“, sagte ein Beamter des Landeskriminalamts Baden-Württemberg der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Fall hat die Ermittler erschüttert. „Denn zum ersten Mal ist eine junge Frau bewusst als Kämpferin nach Syrien gegangen“, so Inspektionsleiter Alexander Stalder vom LKA Stuttgart. Auf Facebook, WhatsApp und anderen sozialen Netzwerken zeigte sich Sarah mit Waffen. „Schlafen, Essen, Schießen, Lernen, Vorträge anhören“, beschrieb sie ihren Tagesablauf. Sie bekannte sich zu Al Qaida. Und warb dafür, dass muslimische Frauen neue Kämpfer gebären sollten. Frauen müssten auch selbst kämpfen, wenn die „Löwen“, also die Männer, schliefen.

          Nach Auffassung der Behörden zeugt der Fall von einer neuen Entwicklung bei den Reisen deutscher Islamisten nach Syrien. „Auch junge Frauen reisen allein und mit einer eigenen islamistischen Motivation nach Syrien“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Der Fall in Konstanz passe in dieses Bild. „Wir wissen von rund einem Dutzend jugendlicher Islamisten unter 18 Jahren, die in Richtung Syrien gereist sind“, so Maaßen.

          Maaßen: Deutsche Islamisten werden verheizt

          Sarah hatte noch einen Traum. Sie wollte einen Kämpfer heiraten. Der Traum erfüllte sich bald. Nach F.A.S.-Informationen heiratete sie am 4. Januar in Syrien den radikalen Islamisten Ismail S. Den Behörden ist der 21 Jahre alte Mann aus Köln gut bekannt. Im Alter von 16 Jahren hatte Ismail S. mit seinem Bruder und einem Freund in der Domstadt die Besatzung eines Streifenwagens angegriffen, um die Dienstwaffen der Beamten zu erbeuten. Die Jugendlichen hatten nach ihrer Festnahme angegeben, sie hätten in den Heiligen Krieg ziehen und Amerikaner töten wollen. Nach der Verbüßung einer Jugendstrafe radikalisierten sie sich rasch in der Salafisten-Szene. Sie waren daran beteiligt, als Salafisten während einer Demonstration der islamfeindlichen Organisation Pro NRW im Mai 2012 in Solingen Polizeibeamte attackierten. Sie schlossen sich der radikalen Gruppe „Milatu Ibrahim“ an, reisten nach deren Verbot im Frühjahr 2013 nach Ägypten aus und von dort weiter nach Syrien.

          Die Mutter der Brüder wurde im November und Dezember vergangenen Jahres am Flughafen Köln/Bonn bei zwei Reisen in die Türkei kontrolliert. Sie führte bei der ersten Reise 50 Magazine für das Sturmgewehr Kalaschnikow AK 47 mit sich, bei der zweiten Reise 187 Magazine. Bei dieser Reise hatte sie auch drei Zielfernrohre, fünf Mobiltelefone und die Reisepässe ihrer Söhne dabei. Die Frau wurde beide Male nicht an der Weiterreise gehindert. Sie konnte in beiden Fällen ihre Reise mit der gesamten Ausrüstung fortsetzen.

          Die Reisenden aus Deutschland werden in Syrien von Terrorgruppen wie „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) sehr schnell im Kampf eingesetzt. „Wir gehen derzeit von 20 Personen aus Deutschland aus, die durch die Kämpfe ums Leben gekommen sind“, sagte Maaßen. Die Zahl deute darauf hin, dass die Leute unvorbereitet in Kämpfe geschickt würden. „Man könnte sagen: Sie werden verheizt“, so der Verfassungsschutzpräsident.

          Die ganze Geschichte von Sarah lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung oder schon am Samstag ab 20 Uhr im ePaper (www.faz.net/e-paper oder http://e-kiosk.faz.net/).

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