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Syrien-Konflikt : Im Kessel von Aleppo

Die ehemals reiche Stadt Aleppo liegt in Trümmern. Bild: dpa

Die freie Welt blickt ohnmächtig nach Syrien. Es gibt kein Wasser und keine Nahrung. Auch das zynische Morden von Putin und Assad hört nicht auf. Bei der Schlacht um Aleppo geht es um alles. Ein Kommentar.

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          Der Krieg in Syrien ging auch weiter, als die Welt nicht mehr hinsah. Mit der Schlacht um Aleppo ist er aber wieder mit aller Wucht in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zurückgekehrt. Die Bilder und Berichte aus dem Kessel von Aleppo zeigen ein Inferno, das jegliche Vorstellungskraft sprengt: Syrische Fassbomben löschen Leben aus, russische Kampfflugzeuge verwüsten Straßenzüge und Krankenhäuser; die Nahrungsmittel sind ausgegangen, es fließt kein Wasser, und für die Generatoren gibt es keinen Treibstoff mehr. Eine medizinische Versorgung der Verletzten ist nicht mehr möglich. Die letzten in Aleppo tätigen Ärzte haben sich in einem verzweifelten Brief an den amerikanischen Präsidenten mit der Bitte gewandt, die Kriegsparteien doch zum Schutz der Zivilisten zu bewegen.

          Die freie Welt blickt ohnmächtig nach Syrien, während das Damaszener Regime und sein russischer Patron zynisch weiter morden. Das staatliche syrische Fernsehen suggeriert Anteilnahme und zeigt einen angeblichen humanitären Korridor für die Eingeschlossenen; die Sequenzen sind indessen Jahre alt. Moskau bietet derweil eine tägliche Feuerpause von drei Stunden an, die nie und nimmer hinreicht, um die Zivilisten im belagerten Ostteil mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Würde sich Moskau wirklich um die Menschen sorgen, es würde einer Waffenruhe von 48 Stunden zustimmen und gar den Krieg einstellen. So aber geht die Zerstörung einer der ältesten Städte der Menschheit weiter, Tag um Tag.

          In den vergangenen Tagen haben Rebellengruppen, in denen islamistischen Milizen den Ton angeben, zwar den Belagerungsring um Aleppo aufgebrochen. Einen sicheren Korridor in die Stadt haben sie aber nicht freigekämpft. So dauert die Belagerung – die umfassendste in diesem Krieg, der sich ins sechste Jahr mit unverminderter Brutalität hinzieht – gnadenlos an. Für beide Seiten steht in dieser Entscheidungsschlacht viel auf dem Spiel. Sollte Aleppo in die Hände des Regimes fallen, würde Assad wieder über die vier größten Städte des Landes herrschen; das Territorium der Rebellen wäre aber auf ländliche Gebiete geschrumpft. Viel steht auch für die Staatengemeinschaft auf dem Spiel: Denn sie ist nicht einmal in der Lage – nicht zuletzt wegen der russischen Obstruktion –, die Vereinbarungen durchzusetzen, die anderswo in Syrien die Waffen schweigen lassen sollen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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