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Reformprozess der Katholiken : Wohin geht ihr?

Später gab es noch mal Post aus Rom. Die war deutlicher. Der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, versuchte mit einem geharnischten Brief, die deutschen Bischöfe von gemeinsamen Beratungen mit Laien über Reformen in der Kirche abzubringen. Der Synodale Weg schien fast schon vor dem Aus, bevor er überhaupt angefangen hatte. Doch offenbar konnte Marx die Wogen glätten. Er führte Gespräche in Rom und ließ auf der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda wissen: „Es gibt keine Stoppschilder aus Rom für den Synodalen Weg, und wir werden daher weitergehen.“ Zudem stellte er klar, es werde „keinen deutschen Sonderweg ohne Rom bei weltkirchlich relevanten Fragen geben“. Man sei aber bereit, „Diskussionsbeiträge“ für die Weltkirche zu liefern.

Papst Franziskus bei der Eröffnungsmesse der Amazonas-Synode
Papst Franziskus bei der Eröffnungsmesse der Amazonas-Synode : Bild: dpa

Unklar ist allerdings, wie erwünscht die bei den 1,3 Milliarden Katholiken auf der Welt sind. Alfonso Miranda Guardiola ist Generalsekretär der mexikanischen Bischofskonferenz. Er sagt, es sei wichtig, dass die Deutschen „nachdenken, studieren und schwierige Themen behandeln“. Bei denen gehe Deutschland immer voran. „Das ist gut.“ Schlecht sei hingegen die Gefahr, der Einheit zu schaden. „Die Themen des Synodalen Wegs sind wichtig, aber andere Länder wie Mexiko sind konservativer als Deutschland.“ Er wünsche sich, dass die Kirche in Deutschland sich nicht trenne von der universellen Kirche.

In Lateinamerika wurden zuletzt durchaus heiße Eisen angefasst, wenn auch unter anderen Vorzeichen als in Deutschland. Im Herbst berieten Bischöfe in Rom auf einer Synode über die Kirche in Amazonien. Wegen des Priestermangels dort sprach die Synode sich für die Priesterweihe von verheirateten Männern aus, wenn auch nur in Ausnahmefällen. Jetzt ist es am Papst, eine Entscheidung zu treffen.

In anderen Ländern Lateinamerikas spielt die Frage, ob Priester heiraten dürfen, dagegen keine große Rolle in der kirchlichen Debatte. Der argentinische Publizist Nestor Borri sagt, in seinem Land drehe sich kirchenpolitisch alles eher um die Frage, ob die Kirche sich in die Politik einmischen sollte. Abgesehen von einer kleinen „reaktionären Minderheit“, seien die argentinische Gesellschaft und die Katholiken offen für Reformen. Sie wüssten, dass ein Wandel auch in der Weltkirche notwendig sei. Eine Kirchenspaltung sieht der Argentinier angesichts des deutschen Synodalen Wegs nicht nahen. „Ich glaube, davon sind wir weit entfernt.“

Skepsis in Teilen Europas

Weniger entspannt ist da die Stimmung in Teilen Europas. Italien ist das Land mit den meisten Katholiken in Europa. Ein Bischofsvikar aus Triest warnte die deutschen Bischöfe in der Zeitung „La Stampa“ kaum verhohlen davor, sich auf Augenhöhe mit Laien zu begeben: Die „Unterscheidung der Geister und die Bestätigung der Brüder“ liege bei „den Hirten mit und unter Petrus“. Nur so sei sichergestellt, dass der „Glaubenssinn der Kirche“ im „gesamten Volk Gottes“ verankert bleibe. Beim Synodalen Weg haben Laien formal das gleiche Stimmrecht wie die Bischöfe. Das geht nur, weil er keine formale Synode ist, bei der nur Bischöfe entscheiden dürfen. Allerdings erfordern Beschlüsse eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder, die wiederum eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe enthalten muss.

Die deutschen Katholiken beschäftigen sich schon seit der Würzburger Synode, die vor fast einem halben Jahrhundert begann, mit ihren Reformthemen. In Italien dagegen sind sie kaum von Bedeutung. Die Forderung nach einer stärkeren Rolle von Frauen in der Kirche gibt es zwar auch in Italien. Aber nicht einmal feministische Katholikinnen verlangen dort, Frauen zum Priesteramt zuzulassen. Auch der Zölibat wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt, ebenso wenig die Machtverteilung zwischen Priestern und Laien.

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