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„Synodaler Weg“ : Neues Leitungsorgan aus Laien und Bischöfen

Ein imposanter Apparat: Bei der jüngsten Zusammenkunft des Synodalen Wegs in Frankfurt Bild: Synodaler Weg / Maximilian von L

Ein neues Leitungsgremium aus Laien und Bischöfen soll künftig über zentrale Fragen der katholischen Kirche beraten. Ein Theologieprofessor spricht von einer „kleinen kulturellen Revolution“.

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          Die Entscheidungen über zentrale Fragen der katholischen Kirche in Deutschland sollen mittelfristig in einem neuen, mit Bischöfen und Laien besetzten Leitungsorgan getroffen werden. Wie aus einem Beschluss der Vollversammlung des Reformprojektes „Synodaler Weg“ hervorgeht, soll der sogenannte „Synodale Rat“ ein „Beratungs- und Beschlussorgan“ sein, das „Grundsatzentscheidungen von überdiözesaner Bedeutung zu pastoralen Planungen, Zukunftsfragen und Haushaltsangelegenheiten der Kirche“ treffen solle, die nicht auf diözesaner Ebene entschieden werden.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Über die Ausgestaltung der Arbeit dieses Gremiums sowie über die Abgrenzung gegenüber den Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) soll in den kommenden drei Jahren ein sogenannter „Synodaler Ausschuss“ befinden.

          Dieser soll ähnlich wie die Vollversammlung des „Synodalen Wegs“ alle Statusgruppen in der Kirche repräsentieren und im kommenden Jahr seine Arbeit aufnehmen. Bis zum Jahr 2026 soll der Ausschuss auch über all jene Grund- und Handlungstexte befinden, über die bis zum Ende des „Synodalen Wegs“ im kommenden Frühjahr nicht mehr abschließend beraten worden sein wird.

          „Innere Haltung der Kritikfähigkeit“

          In der Beschlussvorlage hatte es ursprünglich geheißen, nicht erst der Synodale Rat, sondern schon der Synodale Ausschuss solle das zentrales Beratungs – und Beschlussorgan der katholischen Kirche in Deutschland sein. Massiver Widerstand gegen diesen Vorschlag aus den Reihen der Bischöfe führte dazu, dass die fragliche Passage durch eine gänzlich andere Aufgabenbeschreibung ersetzt wurde.

          Seit Samstagmittag heißt es nun, der Synodale Ausschuss solle eine „Verständigung über den Begriff der Synodalität als Grundvollzug der Kirche“ suchen. Als „Grundvoraussetzung von Synodalität“ solle er überdies „synodale Strukturen, eine synodale Kultur des Miteinanders und sowie eine innere Haltung der Kritikfähigkeit und der gemeinsamen Suche nach einem tragfähigen Konsens entwickeln“.

          Verändert wurde im Zuge der Beratungen auch die Zusammensetzung des Synodalen Ausschusses. Ursprünglich war vorgesehen, dass ihm die 27 Diözesanbischöfe angehören, dazu eine ebenso große Anzahl von Personen, die vom ZdK gewählt werden, sowie zehn weitere gewählte Personen, die von Bischöfen und ZdK-Delegierten gemeinsam gewählt würden. Im Verlauf der Beratungen wurde die Zahl der gemeinsam zu wählenden Mitglieder auf 20 verdoppelt. So soll sichergestellt werden, dass der Geschlechter- und Generationengerechtigkeit besser Rechnung getragen wird.

          Bischöfliche Verfassung ungefährdet

          Unverändert blieb die Bestimmung, dass der Synodale Rat – ähnlich wie der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland – öffentlich tagen soll. Das ZdK tut dies längst, die Bischofskonferenz hat sich stets geweigert, unter den Augen der Öffentlichkeit zu beraten. Ob auch schon der Synodale Ausschuss öffentlich tagen wird, geht aus dem Beschluss nicht hervor.

          In der ausführlichen Aussprache, die der Abstimmung vorausging, wurden äußerst gegensätzliche Einschätzung der Bedeutung des neuen Leitungsgremiums deutlich. Mehrere Ordensfrauen wiesen darauf hin, dass gemeinsame Beratung und Entscheidungsfindung in ihren Organisationen seit Jahrhunderten praktiziert würden und Synodalität somit zutiefst katholisch sei. Der Frankfurter Theologieprofessor Bernhard Emunds sprach von einer „kleinen kulturellen Revolution“, ohne dass die „bischöfliche Verfassung“ der katholischen Kirche dadurch gefährdet sei.

          Diese Ansicht teilte die überwältigende Mehrheit der Bischöfe. Mehrere Redner, darunter der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, beriefen sich nicht nur auf positive Erfahrungen mit gemeinsamen Beratungen in den Bistümern, sondern auch auf Papst Franziskus, der bekanntlich eine „chiesa sinodale“ wolle.

          Keine Rolle spielte der Umstand, dass der Vatikan im Juli in einem Text ohne Autor „zur Wahrung der Freiheit des Volkes Gottes und der Ausübung des bischöflichen Amtes“ klargestellt hatte, dass der Synodale Weg in Deutschland nicht befugt sei, Bischöfe und Gläubige „zur Annahme neuer Formen der Leitung“ zu verpflichten.

          Stattdessen versammelte sich eine verschwindende Minderheit von Bischöfen und Laien abermals hinter dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Der nahm zur Begründung seiner Ablehnung von Synodalem Ausschuss beziehungsweise Synodalem Rat Papst Franziskus mit dessen Aussage beim Wort, eine evangelische Kirche in Deutschland sei genug. Der Aachener Bischof Helmut Dieser sprach ausweislich des Beifalls für viele Bischöfe, Priester und Laien, als er im Plenum enttäuscht feststellte: „Wir brauchen die Konservativen. Aber sie machen ihre Sache nicht gut genug.“

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