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Susanne Hennig-Wellsow : Nicht durch die Blume

Hingeworfen: Thomas Kemmerich (FDP, steht vor dem Blumenstrauß, den ihm die Landespartei- und Fraktionschefin der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, aus Protest vor die Füße geworfen hat. Bild: dpa

Seit Susanne Hennig-Wellsow Thomas Kemmerich nach seiner Wahl im Thüringer Landtag ihren Blumenstrauß vor die Füße schleuderte, ist sie deutschlandweit bekannt. Bereut hat sie es nicht: „Das war genau richtig so“, sagt die Linken-Fraktionschefin.

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          Der Moment, in dem sie dem am Mittwoch den mit Stimmen der AfD gewählten Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) den eigentlich für Bodo Ramelow (Linke) gedachten Blumenstrauß vor die Füße warf, wird lange im politischen Gedächtnis nicht nur Thüringens bleiben. Trotz zum Teil heftiger Kritik an diesem Verhalten würde sie es wieder tun, sagt Susanne Hennig-Wellsow. „Das war genau richtig so.“ Die 42 Jahre alte Politikerin ist seit 2013 Vorsitzende der Thüringer Linken und seit 2014 auch der Linke-Fraktion im Landtag in Erfurt. Sie war dabei, als 2009 der erste Versuch scheiterte, eine rot-rot-grüne Regierung in Thüringen zu installieren, und sie war 2014 maßgeblich an der Bildung der deutschlandweit ersten Koalition aus Linken, SPD und Grünen unter Führung Ramelows beteiligt.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Auch für die Neuauflage dieses Bündnisses als Minderheitsregierung hat sich Hennig-Wellsow schwer ins Zeug gelegt. Im Gegensatz zu Ramelow, der den präsidial und pragmatisch agierenden Landesvater gibt, hält Hennig-Wellsow die rote Fahne der Linken hoch. „Wir sind eine sozialistische Partei. Und das bedeutet, dass wir natürlich die Eigentumsfrage in den Mittelpunkt stellen“, sagte sie schon mal auf Parteitagen, und dass es nicht reiche, den Kapitalismus sozialer zu machen oder grün anzustreichen. Vielmehr sei der Kapitalismus das „Grundübel“. Solche Sätze rufen zwar auch bei der in Thüringen in die Jahre gekommen Wählerschaft der Linken keine Jubelstürme, dafür aber durchaus Begeisterung bei der Parteijugend hervor. Sie wolle keinesfalls zur Revolution aufrufen, sondern wähle den friedlichen Protest, wie im vergangenen Jahr bei einer Sitzblockade gegen eine Demonstration der AfD, als die Polizei sie und zwei weitere Protestler von der Straße tragen musste.

          Hennig-Wellsow kam 1977 in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern zur Welt und wuchs in Erfurt auf, wohin sie mit ihren Eltern Anfang der achtziger Jahre gezogen war. Sie absolvierte das Sportgymnasium und betrieb 14 Jahre lang Leistungssport als Eisschnellläuferin. Nach einem schweren Unfall musste sie Titel-Ambitionen aufgeben und arbeitete als Trainerin für Erwachsene.

          Hennig-Wellsow und Bodo Ramelow am Mittwoch während der Wahl

          Aufs Eis geht die verheiratete Frau heute nur noch mit ihrem sechs Jahre alten Sohn. Im Anschluss an ihr Pädagogikstudium, das sie mit Diplom abschloss, heuerte Hennig-Wellsow bei der damaligen PDS-Landtagsfraktion als Mitarbeiterin an und kümmerte sich um das Thema Bildung. Ihr Elternhaus sei politisch immer sehr links gewesen, weshalb für sie keine andere Partei je infrage gekommen wäre, sagt Hennig-Wellsow, die in der thüringischen Landespolitik schnell Karriere machte. Seit 2009 gewann sie bei jeder Landtagswahl das Direktmandat in ihrem Wahlkreis Erfurt.

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