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Susanne Hennig-Wellsow : Ausdauernde Linke

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Susanne Hennig-Wellsow und der designierte Ministerpräsident Thüringens, Bodo Ramelow Bild: dpa

Die Vorsitzende der Thüringer Linken, Susanne Hennig-Wellsow, und Bodo Ramelow haben sich in ihrer Unterschiedlichkeit gefunden. Er steht im Rampenlicht, sie nimmt sich zurück. An die Regierungsübernahme ging sie mit Plan und Ausdauer.

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          Susanne Hennig-Wellsow, Vorsitzende der Thüringer Linken, und Bodo Ramelow, Spitzenkandidat der Partei, haben sich in ihrer Unterschiedlichkeit gefunden. Er steht im Rampenlicht, sie nimmt sich zurück. Er inszeniert den Empörten und den Staatsmann. Sie überlegt, bevor sie spricht. Er hat einen Jack Russel, sie einen Labrador.

          Im Alter von acht Jahren begann sie mit dem Eislauf. Das lehrte sie Koordination und Kondition, Pläne und Strategie einzuhalten als Grundlage für Erfolg, für Ziele, die man sich selbst setzt, mehr als das Übliche zu tun. Und dann die Sucht, nach vorn zu gehen, an Grenzen und diese zu überschreiten.

          Planvoll ging sie jetzt an die Regierungsübernahme. Die Gespräche mit der SPD und den Grünen begannen im Sommer. Die Linke holte sich Berater. Ramelow, der Alpha-Mann, wurde vorbereitet, „indem wir alles zusammen gemacht, alle Eventualitäten durchgespielt haben“.

          Breites Spektrum verknüpft

          Hennig-Wellsow hat nicht den Stallgeruch der SED wie ein Funktionär, der sein ganzes Berufsleben lang im Dienst von SED, PDS und Linker steht. Als Vorsitzende schafft sie „die strategische Verknüpfung“ des außerparlamentarischen Protests in seinem Spektrum von bunt bis autonom „an der Spitze der Partei“ in ihrer Person und wurzelt zugleich in der DDR.

          Sie, die am 13. Oktober 1977 in Demmin geboren wurde, kommt aus einem linken Elternhaus. Vater und Mutter kamen aus „einfachsten Verhältnissen“ und wurden durch die DDR zu Gewinnern. Die Mutter arbeitete im Innenministerium, der Vater stieg vom Lastwagenfahrer und Soldaten zum Hauptkommissar auf. Die Tochter studierte Erziehungswissenschaften, der Sohn Medizin. Die Familie ist dem Staat, in dem der Aufstieg begann, dankbar. „Mit dem Ende der DDR hat sich nichts an diesem Verhältnis, an dieser Einstellung geändert“, sagt Hennig-Wellsow. Wenn es um die Familie gehe, schade es nicht, ein bisschen konservativ zu sein. Konservativ heißt für sie, füreinander da zu sein. Es ist das, was sie sich für ihren zehn Monate alten Sohn wünscht: eine sichere Lebensbasis. Wie ernst es ihr damit ist, zeigt ihr Umgang mit ihrem Kind und anderen in der Familie. Aber darüber spricht sie nicht, sondern beweist es durch Taten.

          Hennig-Wellsow strebt den demokratischen Sozialismus an. Ohne zu sagen, wie der aussehen soll, gehört er für sie als „ideologische Grundversicherung“ ins Parteiprogramm. Die SPD ist für die Vorsitzende der Linken der „Kitt“ in die bürgerliche Mittelschicht und „ein bestimmtes Gesellschaftsmilieu“. Die SPD habe noch eine Funktion in Bezug auf jene, die der Linkspartei wegen ihrer Vergangenheit nicht vergeben wollen oder können.

          Das Verhältnis zu den Grünen scheint dissonant. Das Koalitionspapier solle eine linke Handschrift tragen, nicht den grünen Klecks. Die Debatte über den Unrechtsstaat wird Hennig-Wellsow „offensiv vertreten, denn es ist den Genossen gelungen zu begreifen“, dass darin die Chance liegt, die Debatte abzuschließen. Außerdem nehme die Linke den Grünen das Stöckchen aus der Hand, „über das wir springen sollten“.

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