https://www.faz.net/-gpf-7j1e8

Susanne Gaschke : Vier große Reden gegen fast Alles

Die vierte und letzte Rede: der Rücktritt Bild: dpa

In der Krise hat die zurückgetretene Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke vier große Reden gehalten. Die erste und die zweite vor dem Rat. In der dritten wandte sie sich ans Volk, ebenso in der vierten. Es gibt ein großes Vorbild: Ciceros Reden gegen Catilina. Mit Videos.

          Ciceros Reden waren „meisterhafte Schöpfungen des geborenen Redners und Politikers, in denen man spürt, dass die Ordnung und das Gefüge einer Rede tausendmal geübt sind, dass sie aber nur durchschimmern durch einen Bau, der genau den Notwendigkeiten der Lage entspricht“. (Reclam)

          Das Spiel

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Angefangen hat das Spiel im August. Aber es war schon damals viel zu lange gespielt worden. Schließlich handelt es sich um ein eingespieltes Spiel der alten Art. Es ist ein kleinkariertes, borniertes und am eigenen Vorteil interessiertes Machtspiel. Es ist zerstörerisch. Das Spiel soll Menschen zerstören. Es zerstört Vertrauen und Offenheit in der Politik und am Ende die Demokratie selbst. Das mit der Demokratie steht jedenfalls im Redeskript, gesagt hat Gaschke es nicht. Alle normalen Leute verabscheuen das Spiel. Die alten Schlachtrösser meinen, dass das Spiel nun einmal so läuft. Gaschke findet, es sei an der Zeit zu überlegen, ob sie (ihre Gegner) dieses Spiel wirklich weiter spielen wollen. Im Laufe der Monate ist das Spiel noch zerstörerischer geworden, als Gaschke es sich je hätte träumen lassen. Sie ist an dem Spiel gescheitert, und sie wünscht sich, dass das Spiel aufhört. Spielen wollte sie das Spiel nie.

          Freunde und Feinde

          Wer sind Gaschkes Feinde, ihre Gegner in dem Spiel? Hat sie auch Freunde? Ihre vier Reden zeigen deutlich, dass sowohl ihre Freunde als auch ihre Feinde mehr werden. In der ersten Rede ist der Feind die CDU im Kieler Rathaus, allen voran der CDU-Vorsitzende Stefan Kruber. Ob auch die alten „Schlachtrösser“ ihre Feinde sind, bleibt unklar, ist aber zu vermuten, da sie das Spiel spielen wollen. Freunde von Gaschke sind nach der ersten Rede zu diesem Zeitpunkt einige Frauen in der CDU-Fraktion, denen die „Form des politischen Stils, die hier praktiziert wird, eigentlich ebenso schrecklich ist“. In der zweiten Rede kommen Feinde hinzu. Nämlich diejenigen, „die Unterlagen aus einer vertraulichen Steuerakte an die Medien weitergegeben haben“. Auch der Kieler Ratsversammlung vertraut Gaschke nicht: „Ich halte es für unvertretbar, dass ein so großer Personenkreis wie die gesamte Ratsversammlung potentiell Kopien einer vertraulichen Steuerakte erhält.“ Und zudem gibt es noch Kolleginnen und Kollegen von den Medien, welche „aus Rache... ganz normale Vorgänge“ skandalisieren. Doch damit nicht genug. Es gibt auch noch „alle anderen“, die „sich in die Büsche verdrücken“. Dafür hat Gaschke aber neue Freunde gefunden, nämlich die Gewerbesteuerzahler in Kiel, eine Sachbearbeiterin, einen Abteilungsleiter, einen Amtsleiter, einen Kämmerer und eine gesamte Fachverwaltung. Zudem „viele freundliche Menschen, Genossinnen und Genossen und auch meine Familie“. Beide Seiten sind also stärker geworden.

          Weitere Themen

          Die erste weibliche EU-Kommissionspräsidentin Video-Seite öffnen

          Von der Leyen gewählt : Die erste weibliche EU-Kommissionspräsidentin

          Es war knapp, aber am Ende hat es gereicht: Ursula von der Leyen erhielt mit 383 von 747 Stimmen äußerst knapp die notwendige Mehrheit im Europaparlament. Dadurch wird sie ab dem 01. November Jean-Claude Juncker als Kommissionspräsident ablösen.

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.