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Stutthof-Prozess : Früh gelernt, zu gehorchen

Ort des Verbrechens: Das Lagertor von Stutthof nahe Danzig Bild: dpa

Im Stutthof-Prozess gegen den einstigen SS-Mann Bruno D. zeichnet ein psychiatrisches Gutachten das Bild eines Mannes, der sein Leben lang Konflikten aus dem Weg ging.

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          In dem Prozess gegen den einstigen SS-Wachmann Bruno D. in Hamburg ist eine der zentralen Fragen, was er damals von seinem Wachturm aus gesehen und gewusst haben muss von den Verbrechen in dem deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig. Und ob er auch begriffen hat, dass er mit seinem Dienst zu dem Unrecht beigetragen hat. 1944, mit 17 Jahren, trat Bruno D. seinen Dienst im Lager an, mit 18 Jahren und dem nahen Ende des Krieges verließ er es. Heute ist er 93 Jahre alt.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die Staatsanwaltschaft wirft Bruno D. Beihilfe zum Mord in mindestens 5230 Fällen vor. Er soll laut Anklage als Wachmann die „heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge“ unterstützt haben. Der Prozess wird vor der Jugendstrafkammer verhandelt, am Freitag sagte abermals ein Sachverständiger für Jugendpsychiatrie aus, Stefanos Hotamanidis. Denn nach dem Jugendstrafrecht Jugendlicher, und das war Bruno D. einen Teil der Tatzeit noch, ist strafrechtlich nur verantwortlich, wenn er zur Zeit der Tat „nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug ist, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln.“

          Der 93 Jahre alte Bruno D. am Freitag auf dem Weg in den Gerichtssaal
          Der 93 Jahre alte Bruno D. am Freitag auf dem Weg in den Gerichtssaal : Bild: dpa

          Hotamanidis hat mehrmals mit dem Angeklagten gesprochen und ein Gutachten erstellt, das er nun an zwei Sitzungstagen vorgestellt hat. Bruno D. hatte im Prozess nie bestritten, SS-Wachmann gewesen zu sein, er hat auch berichtet, viele Leichen gesehen zu haben. Die Menschen hätten ihm leid getan.

          Das Bild eines Einzelgängers

          Nur eine Schuld bei sich selbst hat er stets bestritten, da er selbst niemandem Leid zugefügt und nur Befehle ausgeführt habe. Nie habe er geschossen – und angeblich hätte er auch selbst bei einem Fluchtversuch nie auf einen Menschen geschossen. Doch während Bruno D. teilweise über Kleinigkeiten, die ihm damals passiert sind, präzise berichten konnte, wies er mit Blick auf die Verbrechen im Lager immer wieder Erinnerungslücken auf.

          Der Sachverständige zeichnet das Bild eines Einzelgängers, der Konflikten aus dem Weg gegangen ist und schon in der Familie gelernt hatte zu gehorchen. So hat er es dann auch in der Armee gehalten. Er könne sich an keinen Fall erinnern, wo Bruno D. nicht getan habe, was seine Eltern gesagt hätten, äußert er.

          Als die Richterin fragte, ob der Sachverständige Zweifel daran habe, dass D. erkannt habe, dass es ein Verbrechen war, was in Stutthof passierte, äußerte er, da gebe es keinen Zweifel. Als sie nachfragt, ob D. aber auch seinen eigenen Beitrag an diesem Unrecht erkannt habe, äußert der Sachverständige, er könne das nicht beantworten. Es sei nicht klar, ob er sich mit dem Gedanken überhaupt beschäftigt habe.

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