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Stuttgart : Ausspähversuch am Flughafen könnte Terror-Hintergrund haben

  • Aktualisiert am

Erhöhte Polizeipräsenz am Donnerstag am Stuttgarter Flughafen Bild: dpa

Der Stuttgarter Flughafen ist möglicherweise zwei Mal für einen Anschlag ausgespäht worden. Eine Spur führt nach NRW. Auch der Londoner Flughafen Gatwick wurde gesperrt, nachdem dort abermals Drohnen gesichtet wurden.

          Die Ausspähversuche am Stuttgarter Flughafen könnten einen terroristischen Hintergrund haben. Mindestens einer der Verdächtigen gehört nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zum islamistischen Milieu. Zuvor hatte es geheißen, er sei als Gefährder eingestuft. Dies ließ sich nach den dpa-Quellen aber zunächst nicht zweifelsfrei bestätigen. Weiter hieß es, im Visier seien aktuell vier Verdächtige. Sicherheitskreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag entsprechende Informationen. Zuvor hatte der Südwestrundfunk (SWR) darüber berichtet. Zwei der Gesuchten seien Vater und Sohn und stammten aus Nordrhein-Westfalen. Sie seien bereits vergangene Woche der französischen Polizei aufgefallen, als sie am Pariser Flughafen Charles de Gaulle Fotos vom Terminal machten. Das waren laut dem SWR-Bericht auch die beiden Männer, die am Stuttgarter Flughafen gesichtet wurden. Sie konnten demnach anhand von Videoaufzeichnungen identifiziert werden. Das zuständige Polizeipräsidium in Reutlingen wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die sich aber am Donnerstagabend auf Anfrage nicht äußerte.

          Nach einem Bericht der Zeitung „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise wurden vergangene Woche und am Mittwoch junge Männer von einer Überwachungskamera gefilmt. Die Personen hätten sich an der Sicherheitsschleuse aufgehalten, ohne einen Flug antreten zu wollen und ohne Reisegepäck. Vor diesem Hintergrund habe die Bundespolizei die sogenannte Spezialeinheit BFE plus am Flughafen eingesetzt, um einem Anschlag vorzubeugen.

          Nach einem ZDF-Bericht sollen in Paris-Charles de Gaulle am 13. Dezember zwei Menschen abends im Terminalbereich des Flughafens Fotos gemacht haben. Sie seien dann in einem Transporter mit deutschem Autokennzeichen weggefahren. Nach der Auswertung der Überwachungsvideos hätten französische Terrorermittler Kontakt zu ihren deutschen Kollegen aufgenommen; sie fanden demnach eine Spur zu dem Islamisten. Außerdem sollen dann ebenfalls vergangene Woche zwei Menschen den Stuttgarter Flughafen ausgespäht haben. Es gebe Belege für einen direkten Zusammenhang. Laut ZDF soll es sich um Vorerkundungen für mögliche Terroranschläge gehandelt haben.

          Nach Hinweisen auf gezielte Ausspähungen hat die Bundespolizei an Flughäfen in Baden-Württemberg ihre Präsenz unterdessen deutlich ausgeweitet. Auch in Karlsruhe/Baden-Baden, Friedrichshafen und Mannheim patrouillierten am Donnerstag Beamte mit Maschinenpistolen an den Airports. Die erhöhte Präsenz sollte bis auf Weiteres fortgesetzt werden, sagte ein Polizeisprecher.

          In den Terminals in Stuttgart wurden demnach Polizisten mit Maschinenpistolen postiert und auf Streife geschickt. Der Flugbetrieb läuft aber weiterhin „ganz normal“, wie eine Sprecherin der Flughafengesellschaft sagte. Auch an den kleineren Flughäfen sind nach Angaben des Reutlinger Polizeipräsidiums Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen und Schutzwesten unterwegs. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“; Hinweise auf eine „konkrete Gefährdung“ lägen derzeit nicht vor. 

          London Gatwick nach Drohnensichtung gesperrt

          Auch der Londoner Flughafen Gatwick ist am Donnerstag nach Drohnensichtungen weiter gesperrt geblieben. Das teilte Europas siebtgrößter Airport per Twitter mit. Passagiere wurden aufgerufen, nicht anzureisen, ohne sich vorher bei ihrer Airline zu versichern, dass ihr Flug tatsächlich stattfindet. Die Polizei in der Grafschaft Sussex bezeichnete die Störungen als „absichtliche Handlung“, die sie mit allen verfügbaren Mitteln unterbinden werde. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es keine.

          In Gatwick waren am Mittwochabend alle Starts und Landungen bis auf Weiteres ausgesetzt worden, nachdem eine Drohne über dem Flugfeld gesichtet worden war. Viele Passagiere saßen stundenlang in ihren startklaren Maschinen fest, während ankommende Flugzeuge zu – teils hunderte Kilometer entfernten – Flughäfen umgeleitet wurden.

          Chaos kurz vor Weihnachten: Am Flughafen Gatwick in London geht am Donnerstag nichts.

          In den frühen Morgenstunden des Donnerstags war der Betrieb kurzzeitig wieder aufgenommen worden, dann aber erneut gestoppt worden. Die Drohne sei in der Nacht zu Donnerstag „aufgetaucht und verschwunden, aufgetaucht und verschwunden“, sagte Flughafenchef Chris Woodroofe dem Sender Sky News am Morgen. „Während ich hier stehe und wir sprechen, ist eine Drohne über meinem Flugfeld“, so Woodroofe.

          Einem Flughafensprecher zufolge sollen allein am Mittwochabend 10.000 Passagiere von den Störungen in Gatwick betroffen gewesen sein. Weitere 110.000 Menschen sollten am Donnerstag entweder von dem zweitgrößten britischen Airport aus abreisen oder an dem Flughafen ankommen.

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