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„Stuttgart 21“ : Kretschmann hofft auf „politisches Wunder“

Am vergangenen Montag: Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 demonstrieren vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Bild: dpa

Trotz gegenteiliger Umfrageergebnisse hofft Ministerpräsident Kretschmann im Hinblick auf die Volksbefragung zu Stuttgart 21 noch auf ein „politisches Wunder“. Bahn-Chef Grube bot derweil an, mit dem Abriss des Südflügels bis nach dem Volksentscheid zu warten.

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          Im Streit über das Großvorhaben „Stuttgart 21“ ist der Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube um Kompromissbereitschaft bemüht. Er schließt nicht mehr aus, mit dem Abriss des Südflügels des Hauptbahnhofs bis nach der geplanten Volksabstimmung im Herbst zu warten. „Bedingung ist, dass uns finanziell und rechtlich keine Nachteile entstehen und dass das Projekt nicht weiter verzögert wird“, sagte Grube der „Süddeutschen Zeitung“. Das müsse der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ihm verbindlich zusichern. „Wir wollen ja niemanden unnötig provozieren und schon gar nicht eskalieren“, sagte Grube.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Kretschmann rief die Bahn unterdessen abermals auf, den Südflügel vor der für Ende November geplanten Volksabstimmung nicht abzureißen. Trotz gegenteiliger Umfrageergebnisse hofft Kretschmann im Hinblick auf die Volksbefragung noch auf ein „politisches Wunder“. Sollten die Bürger dann tatsächlich für einen Ausstieg des Landes aus dem Milliardenprojekt votieren, werde das Land die Ausstiegskosten tragen, versicherte er auf einer Veranstaltung in Ulm. Er kalkuliere in diesem Fall mit etwa einer halben Milliarde Euro. Sollte es aber kein Wunder geben, „dann wird gebaut“, sagte Kretschmann. Dann müsse das Land das Baurecht durchsetzen, nötigenfalls auch mit Hilfe der Polizei.

          Geißler verteidigt Kombi-Bahnhof

          Schlichter Heiner Geißler und das Schweizer Beratungsunternehmen SMA verteidigten derweil ihren gemeinsamen Kompromissvorschlag zum Bau eines über- und unterirdischen Kombi-Bahnhofs. Die Einwände der Stadt, der Region und der Bahn „beruhten auf einer Reihe von Behauptungen und enthalten Falschaussagen“, heißt es in einer von Geißler verbreiteten Stellungnahme der SMA. In zwölf Punkten versuchen die Fachleute die Argumente der Gegner des kombinierten Kopf- und Tiefbahnhofs zu widerlegen. Unter anderem weist SMA die Aussage zurück, auch bei der Kombilösung müsse der Südflügel des alten Bahnhofs abgerissen werden.

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube

          Bahnchef Grube sagte hingegen, die Idee des Kombi-Bahnhofs sei Anfang der neunziger Jahre ausführlich diskutiert und damals aus guten Gründen verworfen worden. „Aus unserer heutigen Sicht ist Stuttgart 21 dem Kombi-Bahnhof überlegen - und zwar sowohl städtebaulich, wirtschaftlich, ökologisch als auch verkehrlich.“

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