https://www.faz.net/-gpf-71c6t

„Stuttgart 21“ : Die ewige Baustelle

„Filder-Dia-Lüg“: Bürger diskutieren über die Filderhochflächen Bild: dapd

Ja, es gibt sie noch: In dieser Woche fand die 130. Montagsdemonstration gegen „Stuttgart 21“ statt. Auch der Streit über Streckenführungen hält an.

          4 Min.

          Matthias von Herrmann ist auf dem besten Weg, Showmaster zu werden. So gut macht er das. Stuttgarts oberster „Parkschützer“, seit immerhin zwei Jahren im Dauereinsatz gegen das verhasste Verkehrsprojekt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, steht mal wieder auf dem Arnulf-Klett-Platz, vor dem alten Bahnhof, dem Bonatz-Bau.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Es ist Montag, und vor einer Bühne haben sich 800, vielleicht sogar 900 Stuttgarter zur „130. Montagsdemonstration“ versammelt. Noch immer ist viel von Widerstand die Rede, von Herrmann begrüßt einen Gastredner, dieses Mal ein Feuerwehrmann. „Stuttgart 21 ist im Brandfall leistungsfähiger als jedes Krematorium“, ist auf einem Plakat zu lesen. Jetzt tritt Thilo Böhmer auf, „Lokführer und Feuerwehrmann“. Im geplanten Fildertunnel gebe es erhebliche Sicherheitsmängel, sagt er. „Bei einem Einsatz muss die Feuerwehr erst auf den Einsatzleiter der Bahn warten - den Notfallmanager der DB Netz AG, der die Gleise sperren lässt und die Fahrleitung erdet“, sagt Böhmer. Die Demonstranten sind außer sich.

          Völlig gespalten

          Im vergangenen Herbst haben die Bürger in Baden-Württemberg sich dafür ausgesprochen, das Verkehrsprojekt weiterzubauen. Seitdem kommen weniger Demonstranten, aber den alten Bahnhofsstreit gibt es noch. Auf den „Montagsdemonstrationen“ sind die Bürger mit den Budapestern und Aktentaschen seltener zu sehen. Dafür kommen vor allem Senioren mit Rucksäcken und Outdoor-Sandalen. Ein älterer Mann mit Sonnenhut und gestreiftem Hemd hat sogar auf seine Cola-Flasche einen Anti-Stuttgart-21-Aufkleber gewickelt.

          OB-Kandidatin Bettina Wilhelm: „Viel präsenter, als ich zunächst dachte“

          Im Oktober wird in Stuttgart ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Die Bahnhofsgegner haben versprochen, das Bahnprojekt zum wichtigsten Wahlkampfthema zu machen. „Das Thema Bahnhof ist viel präsenter, als ich zunächst dachte, es wird sehr interessant, wie sich die einzelnen Kandidaten positionieren“, sagt Bettina Wilhelm, die als Parteilose für die SPD zur Oberbürgermeisterwahl antritt.

          Die Gegner glaubten, sie könnten bei der Wahl noch einmal etwas gegen den Bahnhof in Bewegung bringen. Frau Wilhelm war vor ihrer Kandidatur Bahnhofsgegnerin, stellt sich nun aber hinter die Volksabstimmung und unterstützt das Projekt. Die Gegner von „Stuttgart 21“ sind in der Frage, welchen Kandidaten sie unterstützen soll, völlig gespalten: Der gemäßigte Teil unterstützt den grünen Kandidaten Fritz Kuhn; für überzeugte Gegner des Verkehrsprojekts ist wohl nur einer der Ihren wählbar - der Sprecher des Aktionsbündnisses und linke Stadtrat Hannes Rockenbauch.

          „Murks“ und „Filder-Dia-Lüg“

          Der Bahnhof spaltet nicht nur die Kommunalpolitik, auch die grün-rote Landesregierung ist in dieser Frage ziemlich uneins: Während SPD-Wirtschaftsstaatssekretär Ingo Rust in einem Werbemagazin der Bahn mit Bahn-Vorstand Volker Kefer Nettigkeiten austauscht und über die „vielen Chancen“ des Tiefbahnhofs spricht, bringen die grünen Regierungsmitglieder, vor allem Verkehrsminister Winfried Hermann, die Bahn sowie die Projektpartner in regelmäßigen Abständen zur Weißglut.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht alle Jugendliche halten Ausschau nach einer ernsten Beziehung, auch eine Freundschaft plus ist für viele eine Alternative.

          Sex ohne Beziehung : Warum „Freundschaft plus“ oft schiefgeht

          Man mag sich, man hat Sex, man will keine Beziehung. Die Psychotherapeutin Harriet Salbach erklärt, warum „Freundschaft plus“ bei Jugendlichen so beliebt ist – und für viele dann doch nicht das Richtige.
          Eine Mitarbeiterin des Robert Koch-Instituts (RKI) beschriftet während eines Fototermins nach einer Pressekonferenz zum Start der Studie "Corona-Monitoring lokal" eine Blutprobe für einen Antikörpertest.

          Coronavirus : RKI meldet 741 Neuinfektionen

          Das Robert Koch-Institut hat innerhalb eines Tages 741 neue Coronavirus-Fälle registriert. Wer in Nordrhein-Westfalen in Bus und Bahn keine Maske trägt, soll künftig 150 Euro Sofort-Bußgeld bezahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.