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Sturmgewehr G36 : Neues Rohr, alles gut?

Bundeswehrsoldaten mit Sturmgewehren G36 auf einer Patrouille in der nordafghanischen Kundus-Provinz (Archivbild). Bild: dpa

Das G36 habe „keine Zukunft“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen diese Woche. Wirklich? Die Bundeswehr erwägt nun, das Sturmgewehr G36 zu modernisieren. Für die laufenden Einsätze soll eine schnelle Lösung her.

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          Im Verteidigungsministerium wird entgegen anderslautenden Meldungen erwogen, das umstrittene Standardgewehr G36 weiter zu nutzen. Zwar hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) diese Woche gesagt: „Dieses Gewehr hat in der Bundeswehr keine Zukunft.“ Nun wird aber im Ministerium und auch im Verteidigungsausschuss des Bundestags darauf hingewiesen, sie habe diese Aussage mit dem Zusatz „so wie es konstruiert ist“ relativiert.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Lorenz Hemicker

          Im Gespräch sind mittelfristige Änderungen an den rund 170000 Bundeswehr-Exemplaren sowie die rasche Umrüstung von Gewehren für Soldaten in Auslandseinsätzen. Die Rede ist dabei von sechs- bis siebentausend Waffen, die unter anderem mit einem stärkeren Rohr versehen werden könnten. Das würde die Gewehre unempfindlicher gegen Hitze machen. Als Alternative wird erwogen, einige tausend Sturmgewehre bei einem anderen Hersteller als Zwischenlösung zu kaufen. Welche Waffe dabei in Frage kommt, wird nicht bekanntgegeben. Zum Ärger der Abgeordneten des Verteidigungsausschusses will das Ministerium ihnen nicht mitteilen, welche Waffe aus den letzten Tests als Sieger hervorging und besser abschnitt als das G36. Inzwischen ist durchgesickert, dass es sich dabei um ein leichtes Maschinengewehr handelt. Es kommt von der Firma Heckler & Koch, genau wie das G36.

          In den umfangreichen Tests mit Dutzenden G36-Gewehren und Vergleichswaffen anderer Firmen wurde allerdings keine herausragende Alternative gefunden, die sich nun aufdrängt. Zwischen Heckler & Koch und dem Ministerium gibt es wohl auch deshalb wieder Gespräche auf hoher Ebene. Ein vertrauliches Treffen der Staatssekretärin Katrin Suder mit dem Firmeneigentümer in Bonn beendete nach Informationen unserer Zeitung am vergangenen Donnerstag eine monatelange Eiszeit. Zuvor hatte Firmeneigentümer Andreas Heeschen in Berlin Mitglieder des Verteidigungsausschusses gesprochen, allerdings nicht die Obleute von Union und SPD. Aus den Regierungsfraktionen wurde der Firma bedeutet, sie gerate mit Beschimpfungen von Mitarbeitern im Verteidigungsministerium oder beim Bundesrechnungshof immer weiter ins Abseits.

          Während das Unternehmen nach dem Totalverriss seines Exportschlagers zuletzt in den Abgrund blickte, wächst allerdings auch das Unverständnis für die harte Abqualifizierung der Waffe. Die regionale IG Metall, die in engem Kontakt zur SPD steht, forderte die Ministerin schriftlich auf, sich am Firmensitz in Oberndorf den besorgten, aber auch empörten Mitarbeitern zu stellen. Durch die öffentliche Darstellung ramponiert wird zunehmend auch der frühere Verteidigungs- und heutige Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Von Zerwürfnis oder Ähnlichem könne keine Rede sein, heißt es aus dem Ministerium. De Maizière äußert sich nicht.

          Ursula von der Leyen nach einer Tagung des Verteidigungsausschusses über das G36.

          Im Verteidigungsministerium tobte aber schon seit Jahren ein Streit zwischen Befürwortern und Gegnern des Sturmgewehrs G36. Beschwerden gelangten anscheinend erstmals im Januar 2011 an die Hausleitung. Damals erhielt der frühere Staatssekretär Rüdiger Wolf einen anonymen Brief. Er berichtete von Mängeln des Gewehrs bei Hitze. Die Fans und die Gegner des Gewehrs haben sich einander seitdem mit immer neuen Gutachten, Berichten und Meldungen überboten. So wird das G36 noch 2014 als „technisch zuverlässig und ohne Mängel“ bewertet. Zuletzt aber hieß es, das Sturmgewehr habe in Laborversuchen eine „Trefferwahrscheinlichkeit“ von lausigen sieben Prozent bei angeblich typischen Klimaschwankungen gehabt.

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