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Studienreform : Der Bologna-Boykott

  • -Aktualisiert am

„Master“-Feier in Hamburg: Nötig sind bologna-kompatible Diplomstudiengänge Bild: dapd

Die Bologna-Reform als europäisches Erfolgsmodell schönzureden, grenzt an Realitätsverweigerung. Studenten und Wirtschaft boykottieren auf ihre Weise Bildung im Schnelldurchlauf.

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          Die Bologna-Reform auch zehn Jahre nach ihrer Einführung als europäisches Erfolgsmodell schönzureden und sich dabei auf die geringe Arbeitslosenquote unter Bachelor-Absolventen zu berufen, grenzt an Realitätsverweigerung. Es sind doch nur so wenige Bachelor arbeitslos, weil die meisten Studenten den Master machen wollen und der Politpropaganda vom berufsqualifizierenden Abschluss nie getraut haben.

          Der Bachelor, von Anfang an Abschluss für potentielle Studienabbrecher, ist allenfalls für einige Fachhochschulabsolventen attraktiv. In den universitären Mangelfächern wie Physik, Chemie oder Ingenieurwissenschaften taugt er nicht für den Arbeitsmarkt. Von den Zielen der Bologna-Reform ist auch bei gutwilliger Bewertung nur die Verkürzung der Studiendauer erreicht worden. Studienaufenthalte im Ausland gestalten sich nach wie vor schwierig. Auch die Zahl der Studienabbrecher hat an den Universitäten nicht abgenommen. Das Gegenteil ist der Fall.

          So überraschend es sein mag, dass selbst die Hochschulrektorenkonferenz inzwischen einsieht, dass „Bologna“ gescheitert ist: Es waren die Rektoren, denen es gar nicht schnell genug gehen konnte mit der Einführung der konsekutiven Studiengänge. Die Rektoren waren es auch, die jede Kritik als ewig gestrig abwehrten, anstatt die schlimmsten Ausgeburten der Verschulung und der bürokratischen Überangepasstheit mit Leistungspunktzählerei zu verhindern.

          Akademikerflut und fehlende Reife

          Wer sechs oder acht Semester in kleinteiligen Studieneinheiten gedacht und im ständigen Prüfungsmarathon gelebt hat, der wird kaum zu der durch Wissenschaft gebildeten Persönlichkeit gereift sein, die Wirtschaftsvertreter und Politiker angeblich wollten. Jetzt äußern die ersten mittelständischen Unternehmer die Befürchtung, dass ihnen angesichts der Akademikerflut die Facharbeiter ausgehen könnten oder dass die Bologna-Absolventen nicht die Reife mitbrächten, die sie benötigten.

          Klammheimlich haben sich die meisten Protagonisten, allen voran die Studenten, längst von der Bologna-Reform verabschiedet oder sie auf ihre Weise boykottiert. Es wird Zeit, das einzusehen, für Durchlässigkeit zu sorgen, den Bachelor als Zwischenprüfung zu betrachten und bologna-kompatible Diplomstudiengänge einzurichten. Der Widerstand gegen Bildung als Schnellbleiche wächst, von der frühen Einschulung bis zum Studium. Wann reagiert die Politik darauf?

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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