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Wo der Staat schwach ist : So entsteht eine AfD-Hochburg

Ein AfD-Wahlkampfhelfer befestigt 2017 im Kreis Lüneburg nachts ein Plakat an einem Laternenpfahl. Bild: Maximilian von Lachner

Wo ist die AfD besonders stark? Ein Wissenschaftler ist der Frage nachgegangen. Eine simple Antwort hat er nicht. Aber er kennt die wichtigsten Indikatoren für ein gutes Wahlergebnis der Partei.

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          In Frankreich gibt es die Bahnhofstheorie. Derzufolge wählen Menschen eher die Rechtspopulistin Marine Le Pen, je weiter sie von einem Bahnhof entfernt wohnen. Gemeint ist nicht, dass Dörfler zum Extremismus neigen und Städter zum Heiligenschein; sondern dass ein Staat, der keine Teilhabe ermöglicht, sich nicht wundern muss, wenn die Leute staatstragende Parteien ablehnen. Linke haben die Kapitalismustheorie. Sie lautet: Wo die Not groß ist und der Staat kein Füllhorn ausschüttet, wählen die Leute die AfD. Kommunalpolitiker haben die Schuldentheorie. Wo Kommunen in ihrer Finanznot alleingelassen werden, sind sie nicht mehr handlungsfähig, der Frust steigt und die AfD in den Umfragen auch.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alle Theorien funktionieren nach dem gleichen Muster. Immer wird ein Mangel erkannt, der das Verhalten der AfD-Anhänger erklären soll. Das soll beleuchten, was Zahlen nicht können. AfD-Anhänger sind nämlich in vielem Durchschnitt. Sie verdienen ungefähr wie der Durchschnitt, sie haben ein Bildungsniveau ungefähr wie der Durchschnitt, sie haben ein mittleres Alter. Ihre Besonderheit bleibt seit Jahren im Ungefähren.

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