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Politiker und Social Media : Anspucken aus Prinzip

  • -Aktualisiert am

CSU-Staatssekretärin Dorothee Bär beim Politischen Aschermittwoch in Passau Bild: dpa

Die meisten Abgeordneten sind in sozialen Netzwerken aktiv. Eine Studie zeigt, wie es ihnen dort ergeht. Die Politiker einer Partei entpuppen sich dabei als Sonderfall.

          Viele Politiker leiden unter der aggressiven Stimmung in den sozialen Netzwerken – und bleiben trotzdem dort angemeldet. Sie müssten nicht. Der Grüne Robert Habeck etwa verließ Anfang des Jahres Twitter und Facebook; es hat ihm und seiner Partei nicht geschadet, soviel man weiß. Doch Hunderte anderer Politiker nehmen weiter in Kauf, angefeindet zu werden, bloß um dabei zu sein. Viele von ihnen haben zwar schon darüber nachgedacht, sich aus mindestens einem Netzwerk zurückzuziehen – bleiben aber.

          Wie und warum sie das tun, beleuchtet eine neue Studie. Die Agentur Dirk Metz Kommunikation hat in einer Online-Untersuchung 216 Bundestags- und Landtagsabgeordnete befragt – sowohl dazu, wie sie die sozialen Netzwerke nutzen, als auch zum Debattenklima dort. Die Teilnehmer entstammen allen Parteien, es sind alte und junge dabei, Männer und Frauen; die Mischung entspricht ungefähr der Zusammensetzung der Parlamente im Bund-Länder-Schnitt.

          Auf der Suche nach Kontakt zu den Bürgern

          Fast alle Teilnehmer sind in den sozialen Netzwerken aktiv; und fast alle auch oder sogar ausschließlich dienstlich. Sie suchen den Kontakt zu den Bürgern. Freude kommt da allerdings nicht auf: Der Umgangston schlägt den Politikern aufs Gemüt. Nicht einmal fünf Prozent von ihnen beschreiben das Diskussionsklima in den Netzwerken als „positiv“ oder sogar „sehr positiv“. Mehr als die Hälfte empfindet es dagegen als „negativ“ oder „sehr negativ“. Das ist, als träten sie jeden Tag wieder in einem Saal auf, von dem sie schon wissen, dass sie dort mit Eiern beworfen werden.

          Es muss den Abgeordneten also wirklich wichtig sein, trotzdem aufzutreten. Fast alle Befragten sind auf Facebook aktiv. Deutlich weniger bespielen zusätzlich Twitter oder Instagram; diese Netzwerke werden von knapp sechzig Prozent der Befragten genutzt. Die Politiker verbringen allerdings weniger Zeit in den Netzwerken als Otto-Normal-User, nämlich zwischen fünfzehn Minuten und einer Stunde.

          Besonders aktiv sind Politiker der AfD; vierzig Prozent der befragten investieren mehr als eine Stunde täglich. Der Aufwand lohnt sich für sie eher als für die anderen, denn ihre Anhänger sind in den Netzwerken überdurchschnittlich aktiv. So hat die Facebook-Seite der AfD aktuell mehr als 450.000 Likes; da kommt keine andere deutsche Partei auch nur ansatzweise heran.

          Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner beim Dreikönigstreffens seiner Partei im Januar in Stuttgart

          Auf Platz zwei schafft es die Linke mit gut 250.000 Likes; erstaunlicherweise geben sich gerade deren Abgeordnete in der Studie netzwerk-skeptischer als alle anderen. Danach gefragt, welche Rolle die Netzwerke bei der Kommunikation mit dem Bürger spielen, sagt fast ein Drittel von ihnen, „eine untergeordnete“. Von der AfD sagt das keiner.

          Ob Skeptiker oder glühender Fan: Die Mehrheit aller Befragten schätzt ihre Social-Media-Kompetenz als gut bis sehr gut ein, viele weitere finden sich immerhin durchschnittlich kompetent. Nur fünf Prozent glauben, sie seien nicht so fit. Aber wie gut man etwas zu können glaubt, hängt auch damit zusammen, woran man seinen Erfolg misst. Die befragten Politiker wollen in den sozialen Netzwerken Dinge erreichen, für die sie eigentlich gar keine sozialen Netzwerke brauchen: nämlich über ihre Aktivitäten und Ansichten informieren. Das geht ja auch im direkten Gespräch, mit Vorträgen, Zeitungsinterviews, Postwurfsendungen, Pressemitteilungen, dem Parteiprogramm, auf der eigenen Internetseite oder in Talkshows.

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