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Studie : Wähler von AfD und Linke haben starken Hang zum Narzissmus

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Teilnehmer einer AfD-Kundgebung in Eisenach am 1. Mai Bild: dpa

Narzissmus ist unter den Wählern der AfD laut einer Studie stärker verbreitet als in der Anhängerschaft anderer Parteien. Auch die Anhänger der Linken sind demnach sehr von sich überzeugt.

          Die AfD schimpft gerne auf die „Eliten“. Viele ihrer Wähler sehen sich selbst allerdings als Teil einer geistigen Elite, die politische Zusammenhänge besser versteht als andere. „Die AfD-Wähler sind sehr von sich überzeugt“, sagt Elmar Brähler von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Universität Leipzig der Deutschen Presse-Agentur. Er ist einer der Autoren einer Studie mit dem Titel „Die Parteien und das Wählerherz 2018“, für die zwischen November 2017 und Februar 2018 bundesweit rund 2100 Wahlberechtigte nach ihren Parteipräferenzen und ihrem Selbstbild befragt worden waren. Unter Narzissmus versteht man übersteigerte Selbstliebe und Ichbezogenheit.

          „Relativ hohe Narzissmus-Werte haben wir auch bei den Wählern der Linken gefunden. Allerdings waren diese dort – anders als bei den AfD-Wählern – nicht verknüpft mit einem Hang zum Autoritären“, erklärt Brähler, der die Studie gemeinsam mit Alexander Yendell und Jorg Fegert vom Universitätsklinikum Ulm betreut hat. Auf der Narzissmus-Skala der Forscher erreichten die AfD-Wähler den höchsten Wert. Die Anhänger der Linkspartei lagen dahinter. Den geringsten Hang zum Narzissmus attestieren die Autoren den Wählern von FDP und SPD. Im Mittelfeld lagen die Anhänger der Grünen und der Unionsparteien.

          Gemessen wurde der Narzissmus mit einem Standard-Fragebogen. Die rund 2100 Teilnehmer der Studie sollten sich darin zu Aussagen wie „Ich habe es verdient, als große Persönlichkeit angesehen zu werden“ oder „Mit meinen besonderen Beiträgen schaffe ich es, im Mittelpunkt zu stehen“ positionieren. Der Satz „Die meisten Menschen sind ziemliche Versager“, fand bei den Wählern der AfD die stärkste Zustimmung, gefolgt von der Gruppe der Nichtwähler. Etwas weniger Zustimmung für die Aussage fanden die Forscher bei Anhängern von CDU, CSU und Linke.

          „Die AfD-Wähler sind sehr von sich überzeugt. Viele von ihnen denken, dass sie den Durchblick haben und etwas Besonderes sind“, sagt Brähler. Wer so denke, habe oft eine starke Neigung zu Verschwörungstheorien. Die Zustimmung zu dem Satz „Ich habe es verdient, als große Persönlichkeit angesehen zu werden“ war bei den Anhängern der Linken allerdings noch ein wenig höher als unter den AfD-Wählern. Die Psychologen hatten den Teilnehmern der Studie außerdem weitere Aussagen vorgelegt, um mögliche Vorlieben für Autoritarismus zu messen. Dem Satz „Menschen sollten wichtige Entscheidungen in der Gesellschaft Führungspersonen überlassen“ stimmten den Angaben zufolge besonders viele AfD-Wähler zu. Die geringste Zustimmung fand diese Aussage bei den Anhängern der Grünen. Auch die meisten Wähler der Linken konnten dieser Idee wenig abgewinnen.

          Die Studienergebnisse belegen außerdem, was andere Untersuchungen der vergangenen zwei Jahre bereits angedeutet hatten: Mit dem Wandel von der wirtschaftsliberalen „Professorenpartei“ hin zur Anti-Asyl-Partei hat sich auch die soziale Zusammensetzung der AfD-Anhängerschaft verändert. Mit 9,6 Prozent war der Anteil der Arbeitslosen unter den Wählern der AfD am höchsten. Von den Befragten, die sich zur Linkspartei bekannten, waren 9,2 Prozent arbeitslos. Den niedrigsten Anteil von Arbeitslosen (1,8 Prozent) und den höchsten Anteil von Abiturienten (40,9 Prozent) fanden die Forscher unter den Wählern der Grünen.

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