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Studie über Kindesmissbrauch : Über die Täter

  • -Aktualisiert am

Kein schriftlicher Vermerk: Oft werden Täter bloß in eine andere Gemeinde versetzt ohne weitere Konsequenzen. Bild: dpa

Am Dienstag stellen die deutschen Bischöfe eine Studie über Kindesmissbrauch vor. Nur ein Viertel der Fälle wird beleuchtet – doch schon das hat es in sich.

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          Am Dienstag wird die Studie über sexuellen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche vorgestellt. Sie liefert wichtige Erkenntnisse. Zum Beispiel erklärt sie, welches Verhältnis zwischen Tätern und Opfern besonders riskant ist. Etwa dieses: Ein Junge, gerade in der Pubertät, wird von seinen Eltern auf ein katholisches Internat geschickt. Er wird nicht gefragt, er muss sich fügen. Im Internat hat er Heimweh. Ein Erzieher nimmt sich seiner an. Der Erzieher ist selbst einsam und zudem noch unreif. Er wird zudringlicher, der Schüler zieht sich zurück, spürt etwas „Fremdes“ im Verhalten des Mannes. Doch ihm fehlt der Mut, das auszusprechen. Der Erzieher fühlt sich nur noch stärker zu ihm hingezogen, immer wieder bedrängt und nötigt er den Jungen sexuell. Rückblickend schildert der Mann das als Ausdruck eines unkontrollierbaren Impulses. Das Verhältnis schlägt in Gewalt um. Die Autoren der Studie schreiben: Der Erzieher sei in dieser Beziehung, auch für ihn selbst überraschend, mit der ganzen Intensität seiner Gefühlswelt, Erotik und Sexualität konfrontiert worden. Damit er weitermachen kann, setzt er den Jungen unter Druck. Macht ihm Versprechungen, droht Strafen an. Der Junge wird schließlich so stark von ihm misshandelt, dass die Internatsleitung darauf aufmerksam wird. Der Erzieher wird versetzt.

          Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass Themen wie Sexualität und Kindesmissbrauch in den Priesterseminaren behandelt werden. Lange wurde das ausgeblendet. Und so zog der Zölibat gerade solche Männer an, die ihre eigene Sexualität verdrängen. Die Forscher um Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim führten Interviews mit Tätern, aber auch mit Geistlichen, die keine Kinder missbraucht hatten. Die Nicht-Täter nannten den Zölibat eine „Prüfung“, ein „notwendiges Übel“. Mehr als die Hälfte von ihnen war sogar dafür, ihn zu lockern, man solle sich frei entscheiden dürfen. Die Täter hingegen sahen darin kein Problem, begrüßten den Zölibat sogar. In ihren Antworten ist erkennbar, dass sie sich bis heute mit ihrer Sexualität nicht auseinandergesetzt haben. Eine verdrängte Sexualität aber erhöht das Risiko, Kinder zu missbrauchen. Der überwiegende Teil der Täter war homosexuell, was in der katholischen Kirche immer noch ein Tabu ist. Bei den Priestern, die keine Kinder missbraucht hatten, war der Anteil Homosexueller viel geringer. Homosexualität sei zwar kein Risikofaktor für sexuellen Missbrauch, schreiben die Wissenschaftler. Aber die Kirche müsse ihre Sexualmoral und ihre ablehnende Haltung zur Weihe homosexueller Männer „dringend überdenken“.

          Sexueller Missbrauch nur am Rande behandelt

          Als die Wissenschaftler vor vier Jahren ihre Fragebögen an die Bistümer verschickten, stellten sie fest, dass noch immer nicht alle Geistlichen in den Diözesen entsprechend geschult waren. In den meisten Diözesen werden Sexualpädagogik und sexueller Missbrauch zwar während der Priesterausbildung behandelt. Aber meist nur am Rande. In vier Diözesen handelt man das an einem Tag ab. In neun Diözesen sind sie nach zwei Tagen damit durch. In einer Diözese gibt es immerhin ein Blockseminar von 47 Stunden. Alle anderen Diözesen beantworteten diese Frage nicht einmal. „Knapp bemessen“, meinen die Forscher. Man könnte auch sagen: Es ist unmöglich, sich in so kurzer Zeit auf so eine große Herausforderung vorzubereiten, ein Leben in Enthaltsamkeit.

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