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Studie : Schüler im Osten wissen mehr über Zeitgeschichte

Schüler in den ostdeutschen Bundesländern wissen mehr über Geschichte als westdeutsche Schüler. Besonders schlecht fielen die Ergebnisse einer neuen Langzeitstudie in Nordrhein-Westfalen aus.

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          In den neuen Bundesländern wissen die Schüler durchschnittlich mehr in Geschichte als in den alten. Das ergab eine Langzeituntersuchung des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität Berlin. Nordrhein-Westfalen erzielte in der Untersuchung die schlechtesten Ergebnisse. Bereits im Juni hatten die Wissenschaftler die allgemeinen Ergebnisse ihrer Studie vorgelegt. Nun sind für die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen detaillierte Analysen verfügbar.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In Thüringen wissen die Schüler überdurchschnittlich viel über die deutsche Zeitgeschichte, sie erreichen im Geschichtsunterricht zudem einen deutlichen Wissenszuwachs. Mit einem Plus von 11,5 Prozentpunkten richtig beantworteter Fragen lernen die Schüler hier fast doppelt so viel hinzu wie in Nordrhein-Westfalen (plus 5,9 Prozentpunkte). Mit Ausnahme der DDR, von der die Schüler trotz des Schulunterrichts ein zu positives Bild haben, gelangen die Thüringer Schüler zu einem angemessenen Urteil über die politischen Systeme der Zeitgeschichte.

          Abwegiges über Nationalsozialismus

          Das zeitgeschichtliche Wissen der Schüler ist in Sachsen-Anhalt am besten. Außerdem konnten die Jugendlichen dort ihre Kenntnisse durch den Schulunterricht im Untersuchungszeitraum deutlich erweitern. Allerdings gelingt es ihnen häufig nicht, ihre Präferenz für liberale Demokratien auf die Realität zu übertragen. So sind 25 Prozent der befragten Schüler der Ansicht, die Politik Adolf Hitlers wäre ohne den Zweiten Weltkrieg und die Judenvernichtung richtig gewesen.

          In Nordrhein-Westfalen ist nicht nur das Geschichtswissen am geringsten, die Schüler profitieren hier auch am wenigsten von ihrem Schulunterricht. Diese Wissenslücken haben Folgen: der Anteil der Schüler, die den Nationalsozialismus positiv bewerten, ist der höchste unter allen beteiligten Ländern. Bayerische Schüler haben dagegen oft Schwierigkeiten, die politisch-institutionelle Kontinuität der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung zu erkennen. So glaubten sechzig Prozent von ihnen, dass man sich in der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung nicht mit rechtlichen Mitteln gegen staatliche Willkür habe wehren können. Vom wiedervereinigten Deutschland glaubten das nur zwanzig Prozent.

          Bayerische Ergebnisse ohne Gymnasien

          Insgesamt profitierten bayerische Schüler aber von ihrem Geschichtsunterricht, so dass ihr Wissen im Vergleich leicht überdurchschnittlich ausfalle. Angesichts der Tatsache, dass anders als in den anderen Ländern keine Gymnasiasten befragt werden konnten, sei das ein erfreuliches Ergebnis, heißt es in der Studie.

          Das Geschichtswissen der Schüler in Baden-Württemberg ist nur durchschnittlich. Allerdings gelinge es hier besser als in anderen Bundesländern, den Jugendlichen ein Bewusstsein für die Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur zu vermitteln. Eine mögliche Ursache seien die baden-württembergischen Lehrpläne, die mit ihrer Bezugnahme auf freiheitliche demokratische Werte eine hervorragende Grundlage für eine „werteorientierte Wissensvermittlung“ böten.

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