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Studie zur Zukunft der Kirchen : „Viel Zeit haben wir nicht mehr“

Zukünftig ein Bild mit Seltenheitswert? Zahlreiche Gläubige füllen den Berliner Dom zum Gottesdienst am Heiligen Abend. Bild: dpa

Eine Studie prognostiziert den beiden großen Kirchen in Deutschland eine düstere Zukunft – bis 2060 sollen sie die Hälfte an Mitgliedern und Finanzkraft verlieren. Noch könnten sie der Entwicklung aber entgegenwirken.

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          An der mit Abstand wichtigsten Zahl für die Arbeit der beiden großen Kirchen wird sich bis zum Jahr 2060 voraussichtlich wenig ändern: Wenn die Berechnungen des Freiburger Professor Bernd Raffelhüschen und seiner Mitarbeiter zutreffen, werden die evangelischen Landeskirchen und katholischen Diözesen auch in den kommenden vier Jahrzehnten ziemlich konstant Jahr für Jahr zwölf Milliarden Euro durch die Kirchensteuer einnehmen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Beruhigend wirkt diese Zahl allerdings bloß auf den ersten Blick. Der Seitwärtstrend bei den nominalen Einnahmen bedeutet nämlich, dass die Kirchen inflationsbereinigt bis 2060 die Hälfte ihrer Finanzkraft einbüßen. Dieser Befund gewinnt noch einmal an Brisanz, wenn man sich klarmacht, dass die Haushalte der Landeskirchen und Bistümer zu rund siebzig Prozent aus Personalkosten und zu zwanzig Prozent aus Kosten für Immobilien bestehen, von denen man nur schwer runterkommt.

          Mit dem Verzicht auf Gebäck bei Gremiensitzungen oder dem Aufbau eines ökumenischem Beschaffungswesen für Messwein wird man dem massiven Einnahmerückgang der Kirchen keinesfalls beikommen. Der Verlust an Finanzkraft ist die Folge eines kaum minder eklatanten Schwunds an Kirchenmitgliedern.

          Nach den Berechnungen, die Raffelhüschens „Forschungszentrum Generationsverträge“ im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) erstellt hat, wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 ebenfalls um die Hälfte verringern, auf dann 22,7 Millionen. Beide Konfessionen sind von dieser Entwicklung gleichermaßen betroffen, allerdings aus etwas unterschiedlichen Gründen: Die katholische Kirche hat gegenüber der evangelischen den Vorteil, dass ihre Mitgliedschaft etwas jünger ist. Sie profitiert zudem von Zuwanderung aus katholisch geprägten Ländern, insbesondere dem Süden und Osten der EU.

          Die Freiburger Forscher gehen jedoch davon aus, dass der demographische Wandel in diesen Ländern dazu führen wird, dass es künftig weniger „katholische“ Migration nach Deutschland gibt. Die „evangelische“ Migration veranschlagen die Wissenschaftler weiterhin nahe Null. Die evangelische Kirche profitiert aber in signifikanter Weise von Kircheneintritten, deren Zahl rund viermal so hoch liegt wie in der katholischen Kirche.

          Teile des Mitgliederschwunds sind beeinflussbar

          Bestimmend für beide Konfessionen ist jedoch ein Abwärtstrend, der sich aus drei Faktoren zusammensetzt: Alterung, Austritte und Taufunterlassungen. Die womöglich wichtigste Erkenntnis der Studie besteht darin, dass der allgemeine demographische Wandel der Gesellschaft anders als bisher angenommen nicht die wichtigste Triebfeder des Mitgliederverlusts ist. Raffelhüschen beziffert das Verhältnis des Faktors Demographie, an dem man wenig ändern könne, und dem Faktor Austritt plus Taufunterlassung auf etwa ein Drittel zu zwei Drittel. „Das macht uns hoffnungsfroh, denn das sind beeinflussbare Effekte.“

          Die Forscher haben insbesondere einen Bereich identifiziert, in dem sie Handlungsbedarf erkennen: Der Kirchenaustritt findet häuft im Alter zwischen 20 und 34 Jahren statt. Besonders austrittsgeneigt sind männliche Kirchenmitglieder zwischen 25 und 29. Drei Prozent dieser Gruppe kehren Jahr für Jahr der Kirche den Rücken – ein extrem hoher Wert.

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