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Am Bedarf vorbei : Studie offenbart die eklatanten Mängel in der Lehrerausbildung

Ein Mangel an Lehramtsstudenten droht nach Ansicht der Linken in Mecklenburg-Vorpommern den schon bestehenden Lehrermangel in Schlüsselfächern zu verschärfen. Bild: dpa

Falsche Schulform, falsche Fächer: Die Lehrerausbildung in Deutschland ist unzureichend und nicht bedarfsgerecht. Eine neue Studie offenbart das ganze Dilemma der deutschen Lehrerbildung.

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          Warum werden in Deutschland seit Jahrzehnten zu wenig Lehrer und dazu noch die falschen an Fächer und Schularten vorbei ausgebildet? Im vergangenen Jahr hat nur ein einziges Land (Baden-Württemberg) bedarfsdeckend herangebildet, alle anderen Länder weisen Defizite auf, die teilweise bis zu über fünfzig Prozent des eigentlich erforderlichen Bedarfs reichen. Allein um die altersbedingten Abgänge zu ersetzen, müssten 2,9 Prozent des gesamten Personalkörpers pro Jahr ausgebildet werden. Selbst dieses Minimalziel verfehlten im Jahr 2018 sieben Länder (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hamburg und Thüringen). Das ist umso problematischer, als die Schülerzahlen bis zum Jahr 2030 in zwölf Ländern wieder deutlich ansteigen werden.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Für die Lehrerausbildung hat der Staat ein Monopol, genutzt hat er es nicht. 13 der 16 Länder haben sich auf den erhofften Lehrerüberschuss aus Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz verlassen. Das geht aus der Studie „Lehrkräftebildung 2021“ des früheren Berliner Staatssekretärs Mark Rackles hervor, der nach seinem Ausscheiden aus der politischen Verantwortung schonungslos und durchaus selbstkritisch mit den Prognosen der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Dilemma der deutschen Lehrerbildung ins Gericht geht. So haben einige Länder zwar Studienplätze für die erste, universitäre Phase der Lehrerbildung ausgebaut (Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein), andere aber haben die Kapazitäten abgebaut und damit ihre eigene Lage verschärft (Saarland, Mecklenburg-Vorpommern). Trotz einer steigenden Zahl von Lehramtsstudenten (plus 17 Prozent) ist die Zahl der Absolventen der ersten Lehramtsprüfung um 22,7 Prozent gesunken. Auch bei der zweiten Phase der Lehramtsausbildung (Referendariat) stagnieren die Zahlen. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, sind sie sogar leicht rückläufig.

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